Typografie-Basiswissen


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Typografie-Basiswissen

Bestandteile eines Buchstaben
Bestandteile einer Schriftenfamilie
Schriftzeichen
Typografische Maßsysteme
Schriftklassifikationen
Serifen
130 Seiten Typografie-Know-how - Günter Schulers Typo-Schule

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Kapitel I - Bestandteile eines Buchstaben




Schriftbild
Der Teil des Buchstabens, der die Druckfarbe überträgt, das Schwarze des Buchstabens.

Fleisch

Das Weiß des Buchstabens, die Gegenform des Schwarzen.

Die Typographie unterscheidet sechs Schriftlinien (von oben nach unten):
Á-Linie (Akzentlinie)
k-Linie (Minuskeloberlänge bei Renaissance-Antiquas)
H-Linie (Majuskel- oder Versalhöhe)
x-Linie (Minuskelhöhe)
Grundlinie (Schriftline)
p-Linie (Unterlänge)

Minuskeln = Kleinbuchstaben (Gemeine)
Majuskel = Großbuchstaben (Versalien)

Schriftgrad (auch Buchstabengröße; Schriftgröße; Schrifthöhe)
Der Schriftgrad gibt die Höhe der Buchstaben einer Druck- oder Screenschrift an. In der Typographie existieren keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen für Schriftgrößen im Sinne der Metrologie und der Typometrie. Schriftgrade werden deshalb mit unterschiedlichen Methoden und Maßsystemen gemessen.

Oberlänge
Begriff für den oberen Teil eines Buchstabens, welcher sich von der x-Linie zur H-Linie und bei den Minuskeln einer Renaissance-Antiqua zur k-Linie erstreckt.

Mittellänge
Begriff für den Mittelbau eines Buchstabens, welcher sich von der Grundlinie (Schriftlinie) zur x-Linie erstreckt.

Unterlänge
Begriff für den unteren Teil eines Buchstabens, welcher sich von der Grundlinie zur p-Linie erstreckt.

Versalhöhe
Begriff für die Höhe einer Majuskel von der Grundlinie zur H-Linie - Majuskelhöhe. Die Versalhöhe ist in der Typographie traditionellen der Maßstab für den Schriftgrad einer Schrift.

Dickte
Begriff für Schriftzeichenbreite - Buchstabenbreite. Er beschreibt die Breite eines Buchstabens, einer Ziffer oder eines Sonderzeichens inklusive Striche, Tropfen, Serifen, Punzen sowie Vor- und Nachbreite.

Abstrich
Der Abstrich ist der verjüngte Abschluss eines nach unten gezogenen Striches.

Anstrich
Der Ansatz zum Strich, an den keine Serife ansetzt, bezeichnet den Anstrich.

Bogen
Die Rundung eines Buchstabens. Diese umschließt zumeist eine geschlossene Form.

Punze
Bezeichnung für den Binnenraum eines Buchstabens - Buchstabeninnenraum.

Serife
Bezeichnung für die Endstriche, An- und Abstriche eines lateinischen Buchstabens, einer Arabischen Ziffer oder eines Sonderzeichens oder Abschluß der Balken (Haupt-, Grund- oder Standstriche), Querbalken (Querstriche) und Schrägen einer Serifenschrift. Umgangssprachlich werden Serifen auch als » Füßchen « bezeichnet.

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Kapitel II - Bestandteile einer Schriftenfamilie

Ein Schrifttyp oder eine Schriftenfamilie ist die Summe der Erscheinungsformen einer bestimmten Schrift, die einen eigenen Namen erhält, beispielsweise Bembo, Futura oder Helvetica. Ein Font ist eine Variante eines Schrifttyps, auch Gradation, Fettheitsgrad, Schriftsorte oder Schnitt genannt. Beispiel ist die Kursive eines Schrifttyps.
Innerhalb eines Schrifttyps kann es folglich mehrere Fonts bzw. Schnitte geben. Beim Kauf einer Font, erwirbt man eine einzige Schriftvariante eines Schrifttyps. In den meisten Fällen werden jedoch etwa vier Fonts, wie Regular, Italic, Bold, Bold Italic im Satz verkauft.
Als Basisfont oder Masterfont wird die Größe bezeichnet, in der der Schriftkünstler die Schrift gezeichnet hat, von dem ausgehend sämtliche Schriftvarianten abgeleitet werden.
Auch die Bezeichnung der einzelnen Fonts weichen voneinander ab. Bezeichnungen der Normalversion eines Schrifttyps sind Roman, Normal, Medium oder Regular. Eine Kursive kann auch Italic oder Oblique heißen.
Die 26 Zeichen des Alphabets sind lediglich die Grundlage der Zeichen aus denen ein Font besteht. Ohne Ziffern, Interpunktionszeichen, Sonderzeichen und Akzente ist kein Font vollständig.
Außerdem verfügt jede Sprache über ihre spezifischen Interpunktionszeichen und Buchstabenkombinationen (Ligaturen).

Das Beispiel zeigt die Neue Helvetica mit ihren insgesamt 51 Schnitten.




Variation der Schriftstärke
Die Schriftstärke, auch Strichstärke, Schriftdicke oder Fette genannt, gibt an, wie schwarz eine Schrift ist. Die meisten Schriftarten gibt es in wenigstens zwei Schriftstärken, normal und fett.
Die Benennungen der einzelnen Klassen steht dem Schrifthersteller natürlich frei. Manche Schriften sollen dünner oder fetter als andere wirken, darum ist die Einteilung in die Schriftstärkenklassen auch immer Geschmackssache. Häufig werden auch Bezeichnungen durcheinandergeworfen, gleiche Schriftstärken unterschiedlich benannt, oder dieselbe Bezeichnung für recht verschiedene Strichstärken verwendet. Es ist nicht unüblich, dass der 4. und nicht der 5. der Basisstil ist.

· Ultraleicht (Ultra Light; Ultra Thin)
· Extraleicht (Extra Light; Fein, Thin)
· Leicht (Light; Light Plain)
· Halbleicht (Semi Light; Mager, Semi Light Plain)
· Normal (Regular; Buch, Werk, Book, Medium, Plain, Roman)
· Halbfett (Semi Bold; Kräftig)
· Fett (Bold; Dreiviertelfett, Demi, Heavy)
· Extrafett (Extra Bold; Black)
· Ultrafett (Ultra Bold; Extra Black, Ultra)

Variation der Schriftzeichenbreite oder Dickte
Die Schriftbreite oder Schriftlaufweite, fachsprachlich Dickte genannt, bestimmt, wie breit die Buchstaben sind.

· Ultraschmal (Ultra Condensed)
· Extraschmal (Extra Condensed; Thin)
· Schmal (Condensed; Compressed, Narrow)
· Halbschmal (Semi Condensed)
· Normal (Regular)
· Halbbreit (Semi Extended)
· Breit (Expanded; Extended)
· Extrabreit (Extra Extended)
· Ultrabreit (UltraExtended)

Variation der Schriftlage
Die Schriftlage oder Neigung gibt an, ob eine Schrift aufrecht steht oder geneigt ist. Eine mit der Leserichtung schräg gestellte Schrift heißt Kursive. Neben der Schrägstellung nach rechts gibt es in europäischen Schriften selten auch eine solche nach links. Mit der Neigung ändern sich auch die Formen der Kleinbuchstaben.

· Aufrecht (upright, normal)
· Kursiv (italic für echte Kursive)
· Schräg, geschrägt, geneigt (slanted, oblique oder sloped roman für unechte Kursive, die lediglich einer schräg gestellten, aufrechten Schrift entsprechen)

Sonderformen
· Kontur (outline)
· Schattiert (shaded)
· Verzerrt (distorted)

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Kapitel III - Schriftzeichen

Die für eine Schriftart verfügbaren Zeichen entscheiden mitunter stark über die Qualität der Schrift und letztlich über ihr Aussehen. Die qualitativen Unterschiede bei Schriften haben mehrere Gründe.
Ein Grund ist, dass die ursprünglichen Schriftschöpfer logischerweise schon längst verstorben sind und demnach nicht alle Zeichen gestaltet wurden, die heutzutage benötigt werden.
Auch im Zuge der Digitalisierung ging teilweise Qualität und Vielfalt verloren. Um Probleme mit dem Urheberrechtsgesetz zu umgehen wurden die nachgebildeten Schriften teils etwas verändert und umbenannt.
Daraus ergibt sich ein weiteres Problem. Aus Kostengründen blieben oft die Sonderzeichen, auf der Strecke. Auch wenn sie selten gebraucht werden, gehören sie trotzdem zur Schrift. Es gibt heutzutage zwar immens viele Schriften, aber der Großteil davon ist "unvollständig".

Es kommt bei den nachgebildeten Schriften auch oft vor, dass das Dickte nicht optimal ist oder das alle Zeichen nicht alle genau auf der Schriftlinie sind etc. Es gibt also genügend Gründe sich eine Schrift zu kaufen. Dadurch ist man qalitätiv auf der sicheren Seite, was gerade im professionellen Bereich wichtig ist.



Die komplette Minion Pro-Familie besteht aus Schriftschnitten in drei Strichstärken, zwei Breiten und unterschiedlichen Designgrößen, alle jeweils mit Zeichensätzen, die westliche Sprachen sowie Griechisch und Kyrillisch unterstützen. Die obere Abbildung beschränkt sich zugunsten der Übersichtlichtkeit auf Darstellung der westlichen Sprache.

Versalien/Majuskel und Gemeine/Minuskel
Viele der Bezeichnungen, wie sie uns in der Typografie begegnen, stammen noch aus der Zeit, als man mit bleigegossenen Buchstaben arbeitete, die Stück für Stück von Hand gesetzt werden mussten.
Versalienschriften leiten sich ursprünglich von den in Stein geschlagenen römischen Inschriften her und beziehen daraus vielfach noch einen Teil ihrer Charakteristik. Heute werden damit die Großbuchstaben bezeichnet.
Gemeine sind das Ergebnis der Evolution im Bereich der Handschrift. Die gegen Ende des 15. Jahrhunderts übliche Handschrift war die karolingische Minuskel. Die Bezeichnung Minuskel ist aus dem lateinischen Wort minusculus abgeleitet, was so viel bedeutet wie eher klein. Heute werden in der Typograpfe die Kleinbuchstaben so bezeichnet

Kapitälchen


Die Kapitälchen sind die kleinere Version der Versalien. Dabei handelt es sich jedoch nicht um verkleinerte Versalien, sondern um eine speziell entworfene kleine Versalien.
Nach Maßgabe der Höhe lassen sich diese Kapitälchen mit den Versalien vergleichen und haben auch deren Strichdicke. Meistens sind sie etwas breiter als die Versalien. Man verwendet sie in Texten, in denen häufig Abkürzungen oder Versalien vorkommen. An den Stellen, an denen der Textblock durch die Ausführung der Versalien unruhig wirken würde, verleihen die Kapitälchen dem Textblock ein ausgewogeneres Bild.
Grundsätzlich sollten echte Kapitälchen vorgezogen werden. Die verkleinerte Versalien-Einstellung der meisten Textverarbeitungsprogramme ergibt ein zu helles Bild, da die Strichstärke des Buchstaben ebenfalls verkleinert wird.

Ligaturen


Die Kombination mehrerer miteinander verschmolzener Buchstaben wird als Ligatur bezeichnet. Ein bekanntes Beispiel ist das deutsche ß oder das niederländische ij.

Ziffern
Römische, arabische, linienhaltende und Mediäval-Ziffern sind alles Bezeichnungen, die der Typograf zur Unterscheidung der verschiedenen Arten von Ziffern benutzt.Römische Ziffern bauen sich auf der Grundlage einen Addititvsystems von Addition und Subtraktionn auf. Jedes Zeichen steht dabei für einen beswtimmten Wert: I=1, V=5, X=10, L=50, C=100, D=500 und M=1000.
Steht ein Zeichen mit einem niederen Wert vor einem Zeichen mit einem höheren Wert, bedeutet dies, dass der niedere Wert vom höheren abgezogen wird. Folgt der niedere Wert einem höherern, bedeutet dies, dass dieser hinzuzuzählen ist: IV=4 und VI=6.
Römische Ziffern werden vielfach dazu benutzt, die Titelseite eines Buches oder Kapitels zu numerieren (Kapitel X.). Solche Ziffern sind auch in Namen, wie Ludwig XIV. zu finden.
Kommen diese Ziffern innerhalb eines Textes sehr häufig vor, ist es zu empfehlen, diese Ziffern in Kapitälchen zu setzen.

Mit arabischen Ziffern wird ein von uns übernommenes und aus der arabischen Kultur stammendes System mitsamt der dazugehörigen Zeichen bezeichnet. Bei diesem System haben die Einzelziffern 1, 2 und 3 einen anderen Wert wie 123 oder 312.



Innerhalb eines Fonts finden sich zwei unterschiedliche Ziffernarten - linienhaltende
Ziffern und Mediävalziffern. Linienhaltende Ziffern haben zumeist die gleiche Höhe wie die Versalien und stehen allesamt in der gleichen Schriftbreite. Dadurch eignen sie sich hervorragend für die Erstellung vom Tabellen.
Mediävalziffern können auch als Ziffern mit Ober- und Unterlängen bezeichnen. Diese werden, oder besser sollten, zur Förderung der Leserlichkeit und Erfassung bei längeren Zahlenkombinationen wie zB. Telefonnummern oder Postleitzahlen eingesetzt. Nicht alle Schriftfamilien können auf Mediävalziffern zurückgreifen.

Hoch- und tiefgestellte Ziffern sind kleine Ziffern, wie sie für Brüche, Fußnoten oder
Formeln verwendet werden.

Akzente und Interpunktionszeichen
Innerhalb eines Fonts gibt es zumeist auch eine große Zahl von Akzent- und Interpunktionszeichen. In manchen Fällen sind diese Zeichen sprachgebunden,wie beispielsweise beim spanischen (¡) oder der doppelten französischen Anführung (« »).

Das versale Eszett - das großes ß
Unicode 1E9E
Am Rande der 14. Typotage im Aprl 2008 wurde die Aufnahme des Versal-Eszett in den Unicode-Zeichenvorrat gefeiert. Damit hat das kleine »Eszett« nach einigen
Jahrhunderten Sonderstatus endlich seine Großbuchstaben-Entsprechung erhalten.
Besonders bei Personen- oder Ortsnamen wäre damit die lange vermisste Möglichkeit eindeutiger Schreibung der S-Laute auch in Großschreibweise gegeben.

Versal-ß wird internationale Norm
Bauanleitung Versal-ß
Tastaturtreiber für Versal-ß

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Kapitel IV - Typografische Maßsysteme
Die Typografie verwendet neben dem metrischen System (m, cm, mm) eigene Maßsysteme zur Feststellung von Größen und Werten von Schriftgraden, Schriftlaufweiten, Zeilenabständen, Kolumnen, Linien, Flächen und Längen.
Dazu zählen der Typographische Punkt in unterschiedlichen Varianten (Didot-, Pica- und PostScript-Punkt) und unterschiedliche Zoll-Systeme, beispielsweise das englische Zoll-System (Inch). In der Screen-Typographie werden zusätzlich noch die relativen Maßeinheiten Pixel (kleinster Bildpunkt gemessen in dpi oder dots per inch) verwendet.

Metrisches oder Dezimal-System
Das Metrische System stammt, wie auch das Didot-System, aus Frankreich. Der grundlegendste Unterschied zu anderen Maßsystemen besteht darin, dass es sich um ein zehnstelliges System handelt. Mit der Feststellung, das ein Meter der vierzigmillionste Teil des Erdumfangs ist, wurde seinerzeit (1795) der Urmeter aus Platin hergestellt. 1889 wurde dann dieser Urmeter (nachdem das metrische System schon vorher in vielen Ländern eingeführt wurde) mit Ausnahme von England, dem Commonwealth und den Vereinigten Staaten international anerkannt.
Angesichts sehr präziser Messtechniken besteht zunehmend weniger das Bedürfnis, andere Maßsysteme als das metrische System zu benutzen. Verschiedene Bereich der grafischen Industrie, wie Bindereien, Papier- und Umschlaghersteller und Lithografieanstalten arbeiten schon lange mit diesem System.

Inch (oder Zoll)
Der Inch ist die angelsächsischee Maßeinheit eines zwölfteiligen Systems. Der Inch wurde auf 25,4 Millimeter festgestezt. Wenn man bei einer Schreibmaschine von einer 12-pitch-Schrift spricht, heißt das, dass zwölf Buchstaben auf die Breite eines Inch passen.

Fournier- und Didot-System
Begründer dieses Systems war der Pariser Schriftgießer Pierre Simon Fournier (1712–1768). Als Ausgangsmaß wählte er zwölf Cicero, das etwa zwei Zoll des damaligen Landesmaßes, des "Pied de roi" (französisch für Königsfuß), maß. Inspiriert von der englischen Zollteilung unterteilte Fournier dieses Maß dann in zwei Teile mit je zwölf Linien. Ein Sechstel einer Linie bestimmte er als kleinste Einheit, dem "Point typographique".

1790 beschloss der französische Nationalkonvent das staatliche Messwesen zu reformieren. Er beauftragte deshalb die Akademie der Wissenschaften, ein neues Einheitensystem auf der Grundlage geeigneter physikalischer Größen auszuarbeiten. Joseph Lagrange und Claude de Berthollet empfahlen daraufhin u.a. die Einführung des Dezimalsystems.
Dieser nationale Reformwille inspirierte vermutlich auch um 1789–1795 den Typografen François Ambroise Didot und seinen Sohn Firmin Didot, den "Point typographique" von Fournier dem "Pied de roi" anzugleichen und auf 0,376065 mm festzulegen. Didots Punkt war nun etwas größer als der bisherige; 11 Didot-Punkte entsprachen 12 Fournier-Punkten.

Pica-System
Pica ist das angelsächsiche Gegenstück zum Didot-System. Das Pica-Punkt-System entstand im 19. Jahrhundert aus der Synthese des französischen "Point typographique" des Typographen Fournier und dem britischen Caslon-System der englischen Typographen-Dynastie William Caslon (London, 18. und 19. Jahrhundert). Insbesondere ab 1892 wurde es durch die "American Type Founders Company" (ATF) unter ihrem Gründungsdirektor Linn Boyd Benton (1844–1932) in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) eingführt.
Im Pica-Punkt-System werden in der traditionellen anglo-amerikanischen Typografie Größen und Werte von Schriftgraden, Schriftlaufweiten, Zeilenabständen, Kolumnen, Linien, Flächen und Längen gemessen.
Die kleinste typographische Masseinheit im traditionellen Pica-Punkt-System ist ein Pica-Punkt, wobei ein Punkt abgerundet 0,351 mm misst. Ebenso wie der Cicero ist die Pica eine zwölfteilige Schriftgröße und in 12 Punkte gegliedert. Ein Pica-Punkt ist um 0,025 mm kleiner als der kontinentaleuropäische Didot-Punkt, der Typografen François Ambroise Didot und Firmin Didot, welcher, abgesehen von Großbritannien, heute noch in Westeuropa in der traditionellen Typografie gebräuchlich ist.
Da viele Rechner im Bereich der grafischen Industrie amerikanischer Herkunft sind, hat sich die Pica zu meistbenutzten Maßeinheit entwickelt.

Typographischer Punkt
Der Typographische Punkt ist ein Typographisches Maßsystem, das im gewerbespezifischen Sprachschatz auch als "Punkt" abgekürzt. Seine Ursprünge hat er im bereits erwähnten französischen "Point typographique".
Der typographische Punkt ist die kleinste Einheit eines typographischen Punkt-Systems, dass Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich aus einem unmetrischen und duodezimalen Maßsystem zur einheitlichen Größenbestimmung von Buchstaben bzw. Schriftgraden und Abständen hervorgegangen ist. Dieser typographische Punkt hat nichts mit dem orthographischen Punkt zu tun.

Das Didot-Punkt-System löste, wie oben beschrieben in Westeuropa das Fournier-Punkt-System ab. Die kleinste typographische Maßeinheit war fortan der "Didot-Punkt" und das Maßsystem das "Didotsche Maßsystem". 1879 wurde der Didot-Punkt vom deutschen Typographen Hermann Berthold (1831–1904) und Wilhelm Foerster (1832–1921) im Auftrag der Vereinigung der deutschen Schriftgießerein auf 0,376 mm abgerundet.
In den USA wurde das Fournier-System weiterhin benutzt und verschmolz im 19. Jahrhundert mit dem britischen Caslon-System zum Pica-Punkt-System. Seit der Etablierung des PostScript-Systems, in Deutschland von 1985 bis 1994, benutzt man in Westeuropa überwiegend auch die angloamerikanische Maßeinheit "Pica Point" (traditionell) und "PostScript Point" (Adobe Systems). Ein Pica Point misst 0,351 mm. Ein Pica-Punkt ist also um 0,025 mm kleiner als ein Didot-Punkt.

Umrechnungstabelle
1 Didot-Punkt = 0,376 mm
1 Cicero (Mittel) = 12 Didot-Punkte = 4,512 mm

1 Pica Point = 0,35147 mm (gerundet 0,351 mm)
1 Pica Point = 1/72,27 Inches
1 Pica Point = 0.013837 inch
1 Pica Point = 0,93457 Didot-Punkt
1,00375001 Pica Point = 1 PostScript Point

1 Pica = 4,2176 mm (gerundet 4,216 mm)
1 Pica = 1/6 inch
1 Pica = 12 Pica Point

1 PostScript Point (DTP-Punkt von Adobe) = 1,00375001 Pica Point

1 Inch = 25,399 mm (gerundet 25,4 mm bzw. 2,54 cm)
1 Zoll = 6 Pica = 25,4 mm

1 mm = 2,66 Didot-Punkt
1 mm = 0,237 Pica
1 mm = 2,846 Pica Points
1 mm = 0,0394 Inches

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Kapitel V - Schriftgruppen Klassifikation

Schriftentwicklung im Überblick
· um 3000 v. Chr.: Hieroglyphen
· um 1200 v. Chr.: Phönezisches Alphabet
· um 900 v. Chr.: Altgriechisches Alphabet
· 1. Jahrhundert: Römische Capitalis Monumentalis
· 2. Jahrhundert: Capitalis Quadrata
· 5. Jahrhundert: Unziale
· 6. Jahrhundert: Halbunziale
· 7.-11. Jahrhundert: Nationalschriften
· 8. Jahrhundert: Karolingische Minuskel
· 13. Jahrhundert: Gotische Minuskel
· 14. Jahrhundert: Textur/Rotunda
· 15. Jahrhundert: Schwabacher
· 16. Jahrhundert: Fraktur
· 15. Jahrhundert: Humanistische Minuskel, Renaissance-Antiqua
· 16. Jahrhundert: Barock-Antiqua
· 18. Jahrhundert: Klassizistische Antiqua, Schreibschriften
· 19. Jahrhundert: Serifenlose Linear-Antiqua, Serifenbetonte Linear-Antiqua


Schriftgruppen Klassifikation nach DIN 16518
Die Schrifttypen wurden, aufgrund ihrer Vielfalt, in Kategorien abgrenzend zusammengefasst.
Die DIN 16518 stammt aus dem Jahr 1964 und ist für Bleisatz-Druckschriften bis 1970 anwendbar. Sie weicht stark von internationalen und wissenschaftlichen Standards ab. Aus diesem Grund steht sie in der Kritik, nicht mehr für die digitale Typographie geeignet und anwendbar zu sein. Diese Norm wird momentan überarbeitet, aber dient als Einstieg und wird noch in vielen Bereichen zitiert.

Gruppe I: Venezianische Renaissance-Antiqua
· gerundete Serifen
· schräge Achse der Rundungen
· schräger Ansatz (Dachansatz) der Serifen
· schräger Querstrich des kleinen »e«
· Oberlängen der Kleinbuchstaben sind höher als die Versalien
· wenig Strichstärken-Unterschiede
· Beispiele: Golden Type, Stempel Schneidler, Centaur Antiqua, Janson, Text

Gruppe II: Französische Renaissance-Antiqua
· gerundete Serifen
· schräge Achse der Rundungen
· schräger Ansatz (Dachansatz) der Serifen
· Querstrich beim e liegt waagrecht
· Oberlängen der Kleinbuchstaben sind höher als die Versalien
· Beispiele: Garamond, Caslon, Palatino, Bembo, Sabon, Goudy Mediäval, Caxton

Gruppe III: Barock-Antiqua
· wenig abgerundete Serifen
· Achse der Rundungen fast senkrecht
· größere Strichstärken-Unterschiede
· Beispiele: Baskerville, Erhardt, Caslon, Times, Concorde, Janson, Cochin

Gruppe IV: Klassizistische Antiqua
· waagrechte Serifen ohne Rundungen
· starker Kontrast zwischen Grund- und Haarstrichen/Serifen
· senkrechte Achse der Rundungen
· Anstriche sind oben und unten waagrecht angesetzt
· Oberlängen der Kleinbuchstaben sind identisch mit der Versalhöhe
· Beispiele: Bauer Bodoni, Bookman, Walbaum, Didot, New Century Schoolbook

Gruppe V: Serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne)
· je nach Aussehen (v.a. der Serifen) wird diese Gruppe weiter unterteilt:

a) Egyptienne
· für eine ägyptische Kunst-Austellung erstellt
· Beispiele: American Typewriter, Memphis, Rockwell

Spezielle Erkennungsmerkmale:
· Übergänge zu Serifen eckig

b) Clarendon
· deutliche Merkmale der Antiqua
· Beispiele: Clarendon, Impressum, Melior

Spezielle Erkennungsmerkmale:
· Übergänge zu Serifen gerundet

c) Italienne
· stark vergrößerte Serifen
· Beispiele: Figaro, Hidalgo, Memory, Pro Arte

Spezielle Erkennungsmerkmale:
· Serifen stärker als der Grundstrich

Allgemeine Erkennungsmerkmale:
· stark ausgeprägte Serifen
· senkrechte Achse der Rundungen
· Anstriche sind waagrecht angesetzt
· Oberlängen der Kleinbuchstaben identisch mit der Versalhöhe
· Beispiele: Memphis, Rockwell, Excelsior, Clarendon, Egyptian, Figaro

Gruppe VI: Serifenlose Linear-Antiqua (Grotesk)
· keine Serifen vorhanden
· senkrechte Achse der Rundungen
· Strichstärke fast gleich (optisch linear)
· Beispiele: Futura, Helvetica, Gill Sans, Univers, Frutiger, Bauhaus, Kabel, Avantgarde

Gruppe VII: Antiqua-Varianten
· Gehören Antiqua-Varianten die nicht in die Gruppen I-VI eingeordnet werden können.
· Beispiel: Arnold Boeklin

Gruppe VIII: Schreibschriften
· sehen aus, als wären sie mit der Feder oder dem Pinsel geschrieben
· meist Wechselstrich (je nach Lage und Schreibgerät)
· schwungvolle Anfangsbuchstaben
· Verbindungsstriche bei Kleinbuchstaben
· Beispiele: Künstler Script (z.B. Spitzfeder), Legende (z.B. Breitfeder), Kaufmann, Shelley Allegro Script, Brush Script

Gruppe IX: Handschriftliche Antiqua
· Formen der ersten 4 Gruppen
· handschriftlich durch Federzug abgewandelt
· Beispiele: Post Antiqua, Hammer Unciale, Time Script, Ondine, Reporter

Gruppe X: Gebrochene Schriften
· in dieser Gruppe werden nochmal 5 Untergruppen unterschieden:

a) Gotisch
· alle runden Formen der Kleinbuchstaben sind gebrochen
· die Zeichen sind schlank und wirken streng
· Beispiele: Fette Gotisch, Wilhelm-Klingspor-Gotisch

b) Rundgotisch
· die Rundgotisch beruht auf der Rotunda der Frühdruckzeit
· Entstehung und Entwicklung der Rundgotisch vorwiegend in Italien
· Beispiele: Tannenberg, Wallau, Weiß-Rundgotisch

c) Schwabacher
· Hand- und Druckschrift des 15. Jahrhunderts, in Süddeutschland erschienen
· Breite und ausladende Wirkung der Buchstaben, runder und offener als die Gotisch
· Beispiele: Alte Schwabacher, Renata

d) Fraktur
· entstanden im 16. Jahrhundert. Schlanke, elegante Schrift aus dem Kulturkreis Kaiser Maximilians
· gelegentlich auch Deutsche Schrift genannt.
· Beispiele: Fette Fraktur, Neue Fraktur, Unger-Fraktur, Walbaum-Fraktur, Zentenar-Fraktur

e) Fraktur-Varianten
· hier werden alle gebrochenen Schriftformen eingeordnet, die in ihrer Strichführung vom Charakter der Untergruppen Xa bis Xd abweichen
· Beispiele: Breda-Gotisch, Breite Kanzlei, Rhapsodie

Erkennungsmerkmale:
· alle Rundungen sind gebrochen
· Schriften sehen aus, als wären sie mit der Breitfeder geschrieben
· teilweise starker Kontrast fett/fein
· teilweise feine Anstriche und Endstriche
· schräger Querstrich beim »e«
· Beispiele: Textura, Rotunda, Schwabacher, Fette Fraktur, Claudius, Rhapsody

Gruppe XI: Fremde Schriften
· in dieser Gruppe werden alle nicht lateinischen Schriften eingeordnet
· beispielsweise griechische, hebräische, kyrillische, arabische, japanische, Bilderschriften
· Beispiele: Hebrew Hehen, Cyrillic Timeless, Helvetica Cyrillic

Ergänzung: Moderne Schriften
Da der DIN-Norm nur 11 Spezifikationen zugeordnet sind, aber etliche Computerschriften hinzu gekommen sind die nicht in die 11 Spezifikation passen, wird dieser Punkt ergänzend hinzugefügt.
· Beispiele: Toxica, Stop, Comic Sans, Hobo, OCR - Schriften



Weiterführende Links und Quellen:

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Kapitel VI - Serifen

Serifen (oder auch umgangssprachlich “Füßchen” genannt) bezeichnen in der typografischen Fachsprache die Endstriche der Balken eines Buchstaben.
Sie bestimmen wesentlich die Charakteristik einer Antiqua und sind deshalb maßgebliche Schriftklassifikationsmerkmale.

Die Typometrie (die Letterarchitektur, die Konstruktion die für die Gestaltung der Buchstaben notwendig ist) kennt unterschiedliche Serifenformen. Beispielsweise feine Haarserifen, Serifen mit gerundeten bzw. gewölbten oder geraden Serifenunterkanten mit eckigen oder abgerundeten Serifenübergängen, gekehlte oder betonte bzw. blockartige Serifen (Slab Serif) sowie trapez- bzw. keilförmige Serifen (Glyphic) etc.
Je nach Klassifikation sind die Arten der Serifen leicht oder stark ausgebildet oder eben serifenlos.

Beispiele zu verschiedenen Antiqua-Schriften:



1. Die Kehlung der Serifen ist rund, die Serifen sind gebogen oder gerade, Strichstärken des Buchstaben sind im Vergleich zu den Serifen sehr unterschiedlich. Solche Serifen gehören zu Schriften der Kategorie 1 bis 3.

2. Die Serifen sind feine Haarstriche. Die Strickstärkenunterschiede sind sehr groß, dicke Stämme, feine Querstriche.
Diese Serifen gehören zu Schriften der Gruppe 4.

3. Es gibt keine Strichstärkenunterschiede. Diese Serifen können mit oder ohne Kehlung sein, aber auch dreieckig. Diese Serifen gehören zu Schriften der Gruppe 5.

Weitere Beispiele von Serifen-Schriften:



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130 Seiten Typografie-Know-how - Günter Schulers Typo-Schule
Typografie-Experte Günter Schuler hat zum Thema „richtige Typografie“ eine Reihe geschrieben, welche auf cleverprinting nun kostenlos heruntergeladen werden kann. Wärmstens zu empfehlen für alle Schrift-Interessierten.

Aus dem 130 Seiten starken Inhalt (aufgeteilt in mehrere PDFs im Umfang von jeweils 7 – 15 Seiten):
  • Lektion Nr. 1: Historie und Klassifikation: Schriften und Schriftgruppen (bereits erschienen)
  • Lektion Nr. 2: Der digitale Setzkasten: Die Zeichen einer Schrift (bereits erschienen)
  • Lektion Nr. 3: Schrifttechnik: Was man über Fonts wissen sollte
  • Lektion Nr. 4: Text und Textelemente: Der Umgang mit Schrift(en)
  • Lektion Nr. 5: Satzregeln: Typo-Finetuning
  • Lektion Nr. 6: Satzästhetik: Welche Programmeinstellungen sind wichtig?
  • Lektion Nr. 7: Gestaltung mit Schrift: Schriftgrößen, Spaltenbreiten und der Rest
  • Lektion Nr. 8: Typo & Design: Farbkontraste und andere Gestaltungselemente
  • Lektion Nr. 9: Layouthilfen: Scribbles, Gestaltungsraster & Co.
  • Lektion Nr. 10: Projektabwicklung: Phasen eines Layouts
=> hier gehts zum Download

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