Seit wann gibt es Produkt-Konfiguratoren?

ManicMarble

Erfahrenes Mitglied
Hallo Coder-Gemeinde,

das ist zwar etwas off-topic hier, aber ich weiß nich wohin sonst damit. Es geht um euer geballtes Wissen zur Historie des WWW. Forumsmoderatoren mögen diesen Beitrag gerne an den rechten Fleck veschieben.

Meine Frage: In welchem Jahr sind die ersten visuellen Produkt-Konfiguratoren im Web aufgetaucht?

Ich meine solche Dinge wie das hier oder den hier oder sowas. Also eine Web-Anwendung, bei der der User ein variantenreiches Produkt im Web selbst verändern kann und dabei immer sieht, wie's grade aussieht und was das gerade kostet.

Hintergrund meiner Frage: Ich habe einen Konfigurator für einen unserer Kunden entwickelt, der läuft seit über einem Jahr sehr erfolgreich auf deren Website. Jetzt wurde dieser Kunde abgemahnt von einer windigen Firma die behauptet, unser Konfigurator wäre von ihnen geklaut. Sie bringen viele an den Haaren herbeigezogene Argumente, eines davon ist, sie seien weltweit die ersten gewesen, die einen visuellen Konfigurator im Internet angeboten hätten.

Ich glaube zwar, dass die sowieso keine Chance haben damit durchzukommen, dennoch würde ich gerne diese Behauptung widerlegen.

Vielleicht erinnert sich jemand daran, dass er schon im vorigen Jahrtausend sein Auto im Web konfiguriert hat. Oder jemand kennt eine gute Quelle aus der hervor geht, ab wann derartige Anwendungen im Web auftauchten.

Jeder sachdienliche Hinweis ist willkommen.

Viele Grüße,
Martin
 

Dr Dau

ich wisch hier durch
Hallo!

Keine Ahnung wie lange es schon diese Konfiguratoren gibt, aber ganz sicher länger als 1 Jahr.

Ist aber auch egal.....
Denn ich bin der Meinung dass die Idee sich etwas "virtuell und visuell zusammen stellen" zu können, sich also solche nicht schützen lässt.
Da sollte ein Anwalt aber eine kompetente Auskunft geben können. ;)

Wohl aber würde sich das Produkt schützen lassen.
Sie können sich also "ihren Konfigurator" schützen lassen.

Abgesehen davon: können sie nachweisen dass sie die "Erfinder" sind?
Irgendwelche aus der Luft gegriffenen Behauptungen kann jeder aufstellen.
Für mich klingt es einfach nur nach Abzocke.
Ab zum Anwalt mit der Sache, soll der sich darum kümmern. ;)

Gruss Dr Dau
 

kuddeldaddeldu

Erfahrenes Mitglied
Hi,

Sie bringen viele an den Haaren herbeigezogene Argumente, eines davon ist, sie seien weltweit die ersten gewesen, die einen visuellen Konfigurator im Internet angeboten hätten.

Ich bin, wie der Doc, der Meinung, dass eine solche Idee sich nicht schützen lässt, höchstens die Umsetzung. Frag doch bei den verlinkten Seiten mal an, seit wann sie diesen Service anbieten und ob sie ähnliches erlebt haben.

LG

PS.: Ich kenne eine Firma in Bremen, die u.a. auf so etwas spezialisiert und glaube ich seit 2000 am Markt ist.
 

Dennis Wronka

Soulcollector
Also: Wenn die behaupten Du haettest deren Konfiguration gestohlen dann ist dies ja eine Unterstellung von unrechtmaessiger Verwendung fremden Programmcodes.
Zur Erleichterung verweise ich dabei mal auf die langatmigen Anschuldigungen von SCO gegenueber dem Linux-Kernel.

Wenn die meinen Ihr haettet deren Code geklaut dann wird sowas sicherlich damit beendet werden koennen dass ein unabhaengiger Dritter (z.B. das Gericht, bzw. ein vom Gericht beauftragter Experte) Euren und deren Code vergleicht.

Nur weil etwas gleich aussieht muss ja der Code nicht identisch sein. Es fuehren ja bekanntlich viele Wege nach Rom.

Und wenn die die Idee/Umsetzung durchsetzen wollen dann geht das wohl nur ueber ein Patent. Aber wenn ich nichts verpasst habe gibt es in Europa bislang weiterhin keine Software-Patente, wodurch diese Moeglichkeit also flachfallen duerfte.

Wenn Ihr also 100% sicher seit dass Euer Code nicht, auf welchem Wege auch immer, aus externer Quelle stammt und nicht frei lizensiert ist dann wuerde ich persoenlich erstmal die Fuesse hochlegen und nix machen.

Anmerkung: Diese Aussage spiegelt meine persoenliche Meinung wieder. Ich habe keine Ahnung von Rechtsangelegenheiten und verweise fuer eine bindende Aussage auf einen Anwalt Deines Vertrauens.
 

ZodiacXP

Erfahrenes Mitglied
Ich bin der Erfinder des Rades. Ich verklage alle die am Rad drehen!

Das war nicht nur Ironie von mir sondern auch eine leicht sarkastische Darstellung deines Problems.

Was ich zu meinen Vorrednern noch hinzufügen möchte, ist dass du auf keinen Fall die Unterlassungserklärung unterschreibst (selbstredend) und keine Frist versäumst, sonst "brennt's an und 'du' muss es Schlucken". Meine Wenigkeit würde jetzt alles wieder eintüten und zurück schicken mit dem Hinweis, dass der beanstandete Sachverhalt nicht nachvollziehbar sei.

Was ihr aber schon mal machen solltet, ist diesen "Konfigurator" von der Seite zu nehmen. In diesem Punkt sollte man das ganze bis zur Klärung Ernst nehmen. Ein Anwalt wird dir mehr dazu erzählen und vielleicht sogar noch Schadensersatz rausholen, wenn alles unbegründet war und ihr sogar aufgefordert wurdet sämtliches, in der Richtung, umgehend zu unterlassen. Das ist aber jetzt noch (relativ realistische) Schönmalerei von mir ;)

Zu deiner Frage: Wenn du wissen willst seit wann es sowas gibt, dann frag bei dem nach der euch Abmahnt ;) Er kann es scheinbar sagen und auch belegen.

Das ist meine persönliche Meinung. Es muss nicht bei deinem Anliegen zutreffen, da zu wenig Informationen bekannt sind. Alle Angaben ohne Gewähr. Überlasse das einem Anwalt die haben Spaß dadran. Wenn dich sowas interessiert werde selbst Anwalt.
 
Zuletzt bearbeitet:

ManicMarble

Erfahrenes Mitglied
Hallo und Danke für die vielen Antworten.

Zunächst möchte ich nochmal klarstellen, dass bislang weder ich noch die Agentur, für die ich arbeite, abgemahnt wurde, sondern unser Kunde, in dessen Auftrag ich den Konfigurator entwickelt habe. Bei denen handelt es sich um eine große Firma, Teil eines noch größeren Konzerns mit eigener Rechtsabteilung und schlagkräftigem Anwaltsgeschwader, das sich dieser Sache natürlich bereits angenommen hat. Ich bin voller Zuversicht, dass die das im Griff haben. Bislang bin ich allenfalls Zeuge und ich kann jeden Eid schwören, dass ich das Teil alleine entwickelt habe und jeder Sachverständige würde das bei einem Quellcodevergleich bestätigen.

Wie gesagt, EINER der (allesamt höchst lächerlichen) Punkte die "die Anderen" anführen ist die Behauptung, sie hätten den weltweit ersten visuellen Produkt-Konfigurator für's Web entwickelt, also quasi das Prinzip erfunden. Genau diesen einen Punkt würde ich gerne mit eurer Hilfe entkräften. Was ich suche sind Ansätze, wo ich eventuell konkreter nach den Anfängen des "Web-Produkt-Konfigurations-Wesens" recherchieren kann.

Trotzdem Danke für die vielen ermutigenden Beiträge. Natürlich können wir gerne auch weiter über derartige Praktiken wettern. Ne richtig fette Sauerei ist sowas ja wirklich. Dieser Konfigurator ist quasi "mein Baby" und da kommen so Schmierenkommödianten daher ... da darf man sich auch mal aufregen drüber.

Viele Grüße,
Martin
 
Zuletzt bearbeitet:

ZodiacXP

Erfahrenes Mitglied
Genau diesen einen Punkt würde ich gerne mit eurer Hilfe entkräften. Was ich suche sind Ansätze, wo ich eventuell konkreter nach den Anfängen des "Web-Produkt-Konfigurations-Wesens" recherchieren kann.

Trotzdem Danke für die vielen ermutigenden Beiträge.

Also ich würde den vermeintlichen Rechteinhaber fragen.

Zudem muss man vorsichtig sein mit der Annahme, dass alles aus dem eigenen Füller auch frei von Ansprüchen Dritter ist. Da bieten sich die Kuriositäten der Telekom als Beispiel an. Man denkt immer die Grundfarben kann man nicht schützen, aber man kann - zumindest CMYK. Eine Seite in Magenta kostet dank Abmahnungen mehr als man denkt, da die Telekom sich sogar die Farbe geschützt hat. Auch mit dem Wort "Internet" kommt man nicht immer ungestraft davon (Quelle).

btw: Wo ist unser gutes altes "in dubio pro reo" hin? Da frage ich lieber den Anwalt ob man so etwas überhaupt machen muss. Mir fiele da spontan die Beweislast ein und treffend finde ich: 2336.3 BGB. Noch schöneres Beispiel sind die Briefe oder Mails von Firmen die mir sagen, dass jemand mit meiner IP irgendwas böses gemacht hat bei ihnen und ich solle Anzeige erstatten. Ja, bin ich denn der geschädigte? Kein Stück. Da hat sich schön der geschädigte darum zu kümmern.

Nur mit Hilfe eines Anwalts, Verbraucherzentrale oder ähnlichem kann man Rechtsfragen lösen. Wir dürfen dir keinen Rechtsbeistand geben und ich werde es auch nicht tun, sondern nur meine Meinung äußern zu allgemeinen Themen wie Beweislast und Nachrichten zu Markenrecht aus den Medien.

Deswegen finde ich auch spezifische Fragen so schlimm, da das beantworten direkt gegen das §6 RDG verstößt.

Also, auf zum Anwalt!
 
Zuletzt bearbeitet:

ManicMarble

Erfahrenes Mitglied
Hallo ZodiacXP,

ich dachte, aus meinem letzten Posting ginge hervor, dass ich gar keine "Rechtsberatung" will. Wie gesagt, die Anwälte des Kunden sind da schon dran, die wissen schon was zu tun ist. Auf die leichte Schulter nehmen die das sicher nicht.

Meine eigentliche Frage an das Forum steht im Betreff. Ich Suche doch nur nach Hinweisen, wie man rausfinden könnte, seit wann es solche Anwendungen im Web gibt.

Den angeblichen "Rechteinhaber" kann und will ich aus naheliegenden Gründen nicht fragen (seine Antwort kenne ich ja schon). Ich weiß natürlich auch, dass ich nicht dazu verplichtet bin, die anmaßende Behauptung zu widerlegen. Ich würde halt gerne ein paar Gegenbeispiele parat haben, sollte mich jemand in dieser Sache danach fragen.

Trotzdem Danke
 

ZodiacXP

Erfahrenes Mitglied
Ok. Da liegt ein Missverständnis vor. Ich hatte durch deinen Eingangsartikel und der wiederholten bitte genau dies zu "entkräften", gedacht das juristischer Beistand gesucht wird.

Das will ich auch gleich wieder gut machen und war eben in der Bibliothek zwei Bücher ausleihen:

Grasmann, Produktkonfiguration auf Basis von Engineering Data Management-Systemen
R1/XCON: 1981 zuerst kommerziell genutzt
PLAKON: 1986 von der Bundesregierung gefördert, gefolgt von PROKON
VT: 1988
MOKON: 1991 gefördert
PROFI: 1991
SICONFEX, MMC-Kon, ALL-RISE: Ende 80er
SAP R/3 und/oder KMAT: 1994
COSMOS, ET-POS, SECON: unbekannt

Speziell für das Internet wurde SCE (Sales Configuration Engine), SAP und COSMOS-Online genannt.

Ein Standard für alle Branchen und Anwendungsgebiete wird ebenfalls genannt: DIN ISO EN 10007.

Der Begriff "Konfigurationsmanagement" wurde Ende 50er in den USA geprägt.


Dangelmaier, Marktstudie: Softwaresysteme zur Produktkonfiguration
Klassifiziert die Systeme und nennt nur Firmen nach 1996, die solche Software entwickeln oder verwenden. Einige hiervon sind auch dabei.

Diese Literatur verweist natürlich auf weitere, die ich dir auch nennen kann wenn du magst.
Weiter zurück als bis zu 1950 bin ich damit nicht gekommen. Habs aber auch nur in den letzten 15 minuten durchgeblättert und nach Jahreszahlen Ausschau gehalten ;)

Gut Nacht.
 
Zuletzt bearbeitet:

ManicMarble

Erfahrenes Mitglied
Na, das nenne ich Engangement!

Vielen Dank. Das ist ja mal eine prima Quellensammlung. Speziell die Abhandlung von Dr. Brinkop wird sicher hilfreich sein. Zwar geht es bei den meisten genannten Konfiguratoren um solche, die in ein ERP oder eine Warenwirtschaft eingebunden sind, aber auch visuelle Web-Konfiguratioren sind dabei. Und die Quellenangabe "[Brinkop 99] Variantenkonstruktion durch Auswertung der Abhängigkeiten zwischen den Konstruktionsbauteilen" kenne ich sogar aus der Zeit als ich bei meinem früheren Arbeitgeber ein Variantenstücklisten-System für das ERP entwickelt habe.

Ich denke, wenn's hart auf hart kommt, werde ich (oder die Anwälte) ein paar der genannten Firmen anschreiben.

Nochmal vielen Dank für Deinen selbstlosen Einsatz.