Wie zeige ich dem Finanzamt Umsatzsteuerfreie Leistungen?

port29

deus.Server
Hallo Leute,

ich habe für ein Startup Unternehmen eine Website gebaut, die Kunden unter anderem die Möglichkeit bietet, online Bestellungen aufzugeben. Nun als Zahlungsmethoden wird derzeit die Vorauszahlung per Überweisung und PayPal angeboten. PayPal ist natürlich mit hohen Gebühren verbunden, von denen keiner was hat. Lastschriften bekommt der Kunde bei seiner Bank nicht, weil es noch ein junges Unternehmen ist.

Jetzt würde ich den Kunden gerne anbieten, dass ich für Ihn die Zahlungsabwicklung übernehme - neudeutsch "Factoring" genannt. Ich frage mich nun allerdings, wie ich dem Finanzamt gegenüber diese Umsätze zeige. Es wird ja eigentlich nur ein Durchreichen von Zahlungen sein.

Eigentlich wäre das eine Frage, die ich meinem Steuerberater stellen müsste, aber der ist leider noch zwei Wochen im Urlaub.
 

ronaldh

Erfahrenes Mitglied
Du wirst das ja nicht völlig kostenlos machen, oder?

Beim Finanzamt musst Du die Differenz zwischen eingezogenem Betrag und dem Betrag, den Du dem Kunden auszahlst (das ist ja dann logischerweise die Gewinnspanne) als Einkommen melden. Und falls Du ein normales Gewerbe betreibst (also umsatzsteuerpflichtig bist) musst Du für diesen Anteil auch Umsatzsteuer in Rechnung stellen.

Davon kannst Du natürlich noch entsprechende Aufwendungen (z.B. Bankgebühren) als Kosten geltend machen, die das Einkommen reduzieren.

Letztlich solltest Du berechnen, ob sich der ganze Aufwand lohnt. Denk daran, dass Lastschriften auch platzen können, dann hast Du die doppelte Arbeit. Und vermutlich wird in diesem Fall schon einiges an "Handarbeit" dabei sein, denn eine Automatisierung derartiger Vorgänge lohnt sich sicherlich erst bei entsprechend hohem Zahlungsaufkommen. Unter Umständen musst Du dem Startup Unternehmen mehr in Rechnung stellen, als sie bei PayPal zahlen müssen.
 

port29

deus.Server
Du wirst das ja nicht völlig kostenlos machen, oder?

Beim Finanzamt musst Du die Differenz zwischen eingezogenem Betrag und dem Betrag, den Du dem Kunden auszahlst (das ist ja dann logischerweise die Gewinnspanne) als Einkommen melden. Und falls Du ein normales Gewerbe betreibst (also umsatzsteuerpflichtig bist) musst Du für diesen Anteil auch Umsatzsteuer in Rechnung stellen.

Ich habe momentan den Vorteil, dass ich eh schon sehr viel mit Lastschriften (DAT Files) mache und bei mir die ganzen Systeme eh schon automatisiert laufen.

Das Grundproblem der ganzen Geschichte ist jetzt tatsächlich die Abwicklung mit dem Finanzamt. Ich bekomme vom Kunden sagen wir jetzt mal 100 Lastschriftdaten (mit MwsT), da packe ich jetzt meine 200 noch dazu und sende die ganze Geschichte an meine Bank. Dann liegt der ganze Betrag bei mir auf dem Konto. Jetzt kommt der Knifflige Teil:

Diesen Betrag muss ich jetzt in drei Teile teilen. Einmal ist es mein Verdienst, die Umsatzsteuer meines Verdienstes und die fremden Lastschriften. Diese fremden Lastschriften muss ich dem Kunden dann in einer Gutschrift bereitstellen.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Kunde mir den Lastschriftbetrag + 19% in Rechnung stellt und ich mir dann die Ust. dann vom FA wiederhole. Nachteil wäre, dass dann riesige Beträge zusammenkommen werden und das FA mir dann irgendwann auf die Nerven gehen wird, wieso ich so viel Geld durchschaufle.

Die andere Frage wäre, ob ich einfach so eine Inkasso Tätigkeit übernehmen darf oder ob man dafür noch etwas spezielles benötigt.
 

ronaldh

Erfahrenes Mitglied
Wenn Du Dir den Gesamtbetrag in Rechnung stellen lässt (natürlich abzüglich einer Provision), wäre umsatzsteuertechnisch natürlich alles sauber.

Dem Finanzamt sollte das wurscht sein, wieviel Geld Du durchschaufelst. So wie es klingt wirst Du ja vermutlich auch jetzt schon monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen machen und auch keine GuV sondern Bilanz erstellen. Wenn nicht, dann würde dies sicherlich damit verbunden sein.

Meiner Meinung nach brauchst Du für die Durchführung der Inkasso-Tätigkeit nichts Spezielles, ich glaube auch, dass irgendwo in dem Mammut-Thread (in dem Du ja auch sehr aktiv bist...) gelesen zu haben. Ein Bekannter hatte mal ein Abrechnungsunternehmen für Taxenunternehmer, meiner Kenntnis nach benötigt man dafür wirklich nichts weiter.

In jedem Fall ist ein detaillierter Vertrag mit dem Startup-Unternehmen erforderlich, der vor allem Sonderfälle regelt (was passiert, wenn der Endkunde nicht bezahlt? Wer macht welche Nacharbeit, wenn Lastschriften platzen? Wieviel Einzugsversuche soll es geben? Wann sind welche Zahlungen von Dir zu leisten? usw.). Und Du solltest nicht unterschätzen, dass der Aufwand für Dich überproportional ansteigen kann. Wenn statt 100 Lastschriften plötzlich 1000 kommen, von denen 10% platzen, dann musst Du 100 zusätzliche Vorgänge bearbeiten! Dann benötigst Du unter Umständen einen zusätzlichen Mitarbeiter!

Grüsse
ronaldh
 

vfl_freak

Premium-User
Moin,

ich weiß ja nun nicht, von welchen Jahresumsätzen wir hier reden, aber bei der Kleinunternehmer-Regelung kannst Du Dich von der USt.-Pflicht befreien lassen - hast dann aber auch keine Möglichkeit des VSt.-Abzugs .....

Diesen Betrag muss ich jetzt in drei Teile teilen. Einmal ist es mein Verdienst, die Umsatzsteuer meines Verdienstes und die fremden Lastschriften. Diese fremden Lastschriften muss ich dem Kunden dann in einer Gutschrift bereitstellen.
Zudem werde ich das Gefühl nicht los, dass hier unterschiedliche Dinge in einen Topf geworfen werden!
Zum einen zahlst Du keine USt. auf Deinen Verdienst! Was Du vermutlich meinst heißt "Einkommensteuer"! Eigene USt. musst Du nur für die Beträge, die Du Deinem Kunde für Deine Arbeit in Rechnung stellst, abführen! Die USt.-Beträge der Lastschriften würde ich einfach mit an Deinen Kunden überweisen, da ER ja diese USt. abführen muss (es ist letztlich ja seine USt.-Erklärung am Jahresende)!

Ich würde das aber wirklich besser mit Deien StB oder vlt. direkt mit dem FA durchkauen, da Du nur dort verbindliche Auskünfte erwarten kannst !!

Gruß
Klaus

BTW: was versteht Du denn unter "umsatzsteuerfreien Leistungen" ? ? ?
 
Zuletzt bearbeitet:

ronaldh

Erfahrenes Mitglied
ich weiß ja nun nicht, von welchen Jahresumsätzen wir hier reden, aber bei der Kleinunternehmer-Regelung kannst Du Dich von der USt.-Pflicht befreien lassen - hast dann aber auch keine Möglichkeit des VSt.-Abzugs .....

Wenn er schon 200 eigene Lastschriften (ich gehe davon aus, dass dies monatlich ist) hat, dürfte es sich hier wohl kaum um einen Kleinunternehmer handeln.

Natürlich sollte die Verfahrensweise mit dem Steuerberater abgesprochen werden, aber der ist ja im Urlaub. Außerdem ist es ja durchaus sinnvoll, wenn man sich vor dem Gespräch mit dem Steuerberater Gedanken zur Vorgehensweise macht, da dieser solche Gespräche in der Regel nach Stundensatz abrechnet. Mit dem Finanzamt würde ich dies nur in Ausnahmefällen besprechen, deren Interesse deckt sich in den seltensten Fällen mit denen eines Selbständigen...
 

vfl_freak

Premium-User
Wenn er schon 200 eigene Lastschriften (ich gehe davon aus, dass dies monatlich ist) hat, dürfte es sich hier wohl kaum um einen Kleinunternehmer handeln

Na ja, würde ja auch von der Höhe der Lastschriften abhängen ... ;-]
Wenn ich es aber richtig verstehe, betreffen diese Lastschriften doch nur Rechnungsbeträge, die für jemand anders eingezogen werden. Das sind dann doch höchstens durchlaufende Posten, man selbst diese USt.-Beträge ja nun wohl schlechterdings abführen kann/braucht! Das darf nicht mal ein Steuerberater, sondern immer nur der Steuerpflichtige selbst!

Gruß
Klaus
 

ronaldh

Erfahrenes Mitglied
Ich bekomme vom Kunden sagen wir jetzt mal 100 Lastschriftdaten (mit MwsT), da packe ich jetzt meine 200 noch dazu und sende die ganze Geschichte an meine Bank.

Also 200 eigene... Und vermutlich werden die nicht alle nur 1 Euro sein, wenn es im Schnitt 10 Euro sind, wird die Kleinunternehmergrenze schon überschritten.
 

vfl_freak

Premium-User
Beim Finanzamt musst Du die Differenz zwischen eingezogenem Betrag und dem Betrag, den Du dem Kunden auszahlst (das ist ja dann logischerweise die Gewinnspanne) als Einkommen melden. Und falls Du ein normales Gewerbe betreibst (also umsatzsteuerpflichtig bist) musst Du für diesen Anteil auch Umsatzsteuer in Rechnung stellen.

Wie Du schon selbst oben geschrieben hast, wird die eigene USt. nur auf den Teil fällig, den man seinem Kunden in Rechnung stellt! Da wir hier die konkreten Zahlen nicht kennen, ist alles andere eh' nur wilde Spekulation! Wenn wirklich pro Lastschrift 10 EUR als Gebühr in Rechnung gestellt werden können, müssen dass ja schon ganz schön hohe Beträge sein ... ;-]

Gruß
Klaus
 

ronaldh

Erfahrenes Mitglied
Ich hab doch gar nichts von 10 Euronen Gebühr gesagt. Ich mutmaßte, dass, wenn er 200 Lastschriften monatlich selbst ausführt (die haben mit dem Kunden ja gar nichts zu tun!), und diese 200 Lastschriften im Schnitt mindestens nur 10 Euro Umsatz bedeuten, ist er schon aus der Kleinunternehmergrenze heraus.
 

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