Weiterbildung mit Zertifikaten übers Arbeitsamt

dodo123

Mitglied
Hi,
Folgende Situation: heute hatte ein Kumpel von mir ein Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur mit seiner Vermittlerin. Er ist ausgebildeter Bürokaufmann, hat aber bis jetzt in dem Bereich nicht gearbeitet möchte aber eine Umschulung machen. Er hat bis jetzt rudimentäre Kenntnisse in C++ und Serveradministration, aber hat sich alles selbst autodidaktisch beigebracht. Die Vermittlerin will ihn jetzt laut seiner Aussage für irgendwelche Kurse anmelden, wo er dann in den Bereichen, wo er sich schon etwas auskennt Zertifikate erwerben kann. Die Vermittlerin war laut seiner Aussage davon total begeistert und meinte, dass diese Zertifikate bei Arbeitgebern total gut ankämen.

Ich bin da eher skeptisch und wollte euch mal nach eurer Meinung fragen. Ist hier evtl. jemand der solche Kurse besucht hat und der mir sagen kann, wie das ablaufen soll? Und vorallem würde mich interessieren, wie diese Zertifikate auf dem Arbeitsmarkt anerkannt sind.

Grüße,

dodo
 

sheel

I love Asm
Hi

um welche Zert. geht es denn namentlich? Und wo soll das gemacht werden?

Allgemein ist es so, dass leider viele Schulungen etc. nicht gut sind.
Inkompetente Ausbildner, veraltete Sachen...davon hört man immer wieder.
Jemanden, der das gelobt hat, kenn ich dagegen nicht.

Selbst beibringen ist nicht automatisch schlecht...
 

dodo123

Mitglied
um welche Zert. geht es denn namentlich?

Laut der Vermittlerin soll er einen Kurs in C++ Programmierung und Serveradministration machen damit er sein autodidaktisch erworbenes Wissen mit diesen Zertifikaten belegen kann. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob diese Zertifikate auf dem Arbeitsmarkt etwas wert sind, da die Vermittlerin auch keine Details nennen konnte zum Umfang oder der Qualität. Das die Kurse vom Amt nix taugen kann ich teilweise aus eigener Erfahrung bestätigen, deswegen bin ich ja so skeptisch.
 

smileyml

Tankwart
Premium-User
Soll er doch mal mit dem Kursanbieter abklären, was der Inhalt der Seminare ist.
Ich denke das Problem sind nicht die fehlenden Zertifikate, sonder vielmehr, das es sich lediglich um ein Grundwissen hat.
Da hilft es sicher mehr ein Praktikum oder eine Art Ausbildung zu machen, als irgendwelche Zertifikate zu haben, denn wenn er am Ende Zertifikate hat und sich im Job rausstellt, das er trotzdem wenig kann, geht er nacht der Probezeit wieder nach hause.

So denke ich, hilft es mehr Arbeitszeugnisse etc zu haben als irgendwelche Zertifikate.

Grüße Marco
 

Dr Dau

ich wisch hier durch
Hallo!

[...] ein Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur [...]
Wenn ich sowas lese, bekomme ich gleich wieder das ko.... ;)

Wir schreiben das Jahr 1995:
Ich war arbeitslos und "durfte" einen immerhin 3-monatigen Kurs "EDV-Fortbildungslehrgang für kaufmännische und verwaltende Berufe" absolvieren.
Auf meinen Einwand dass ich bis dato weder mit kaufmännischen/verwaltenden Berufen noch mit Computern zu tun hatte, meinte das Arbeitsamt zu mir nur "schauen Sie es sich doch zumindest mal an, evtl. ist es ja etwas für Sie".
OK, also habe ich an dem Kurs teilgenommen und auch erfolgreich abgeschlossen.
Aber was mache ich danach? Ich hatte ja keine Kenntnisse über Computer. Folglich hatte ich auch keinen Computer.
Also habe ich mir schon ziemlich zu Anfang des Kurses das Buch "PC aufrüsten und reparieren" von Data Becker zugelegt.
Mit Hilfe dieses Buchs (und praktischen Tests an der EDV-Anlage in den Schulungsräumen :p) konnte ich mir so Kenntnisse darüber aneignen wie man ins BIOS kommt, wie man feststellt wie schnell der PC ist, wie gross die Festplatte und der Arbeitsspeicher sind.
So war also der Grundstein gelegt um mir nach dem Kurs einen eigenen PC zu kaufen, um z.b. die Office-Kenntnisse auch nach dem Kurs weiter zu vertiefen und vor allem auch nutzen zu können (z.b. um die gute alte Schreibmaschine in die Ecke zu verbannen und die Briefe künftig auf dem PC zu erstellen ;)).
Wie man sieht, habe ich in dem Kurs also "Blut geleckt".

Nach dem der Kurs beendet war, hatte ich dann auch einen Termin beim Berufsberater (war damals noch eine eigene Fachabteilung beim Arbeitsamt) bekommen.
Man sollte meinen dass der Berufsberater Ahnung über die Berufe hat, zu denen er einen berät?!
Er hatte mir also eine Umschulung zum Kommunikationselektroniker vorgeschlagen.
Wegen der quasi fehlenden PC-Kenntnisse, und auch "Internet" war damals ein absolutes Fremdwort, konnte ich mich natürlich auch nicht wirklich über den Beruf informieren.
Und da ich mit der Berufsbezeichung nichts anfangen konnte, habe ich mir die Aufgabenbereiche von dem Berufsberater erklären lassen:
Gedächnisprotokoll hat gesagt.:
Sie verbauen Computerkomponenten, erstellen Netzwerke, beraten und betreuen die Kunden.....
Klasse denke ich, dass ist jedenfalls ein Beruf dessen erlernte Kenntnisse man (zumindest auf langfristige Sicht) sogar privat für sich selbst und/oder Freunde nutzen kann.
Also war die Sache beschlossen und die Verträge wurden unterschrieben.
Irgendwann im Sommer 1996 begann dann auch die Umschulung (reguläre Ausbildung von 3 Jahren).
1. Tag: Ösen aus Kupferdraht biegen, 2. Tag: dito, 3. Tag: dito...... nächste Woche: dito.
"Halt, Stopp, was geht denn hier ab?!" ging mir durch den Kopf.
Also habe ich mir den Ausbildungsmeister geschnappt:
Gedächnisprotokoll hat gesagt.:
Ich: Sind wir hier in einer Behindertenwerkstatt? Oder warum müssen wir den ganzen Tag, Tag für Tag immer die gleiche stumpfsinnige Arbeit machen?
Er: Was haben Sie denn erwartet?
Ich: Der Berufsbarater hat gesagt..... bla..... bla..... bla.....
Er: Sie werden während der ganzen Ausbildung nicht ein einziges mal mit Computern zu tun haben.
Hää? Was hat mir der Berufsberater denn da erzählt?
Also bin ich aufgestanden, habe zum Ausbildungsmeister gesagt "dann ist die Sache hier und jetzt für mich erledigt" und bin gegangen.
Die Tatsache dass andere Azubis ebenfalls aufgestanden und gegangen sind ;), lässt mich doch sehr stark vermuten dass es Methode vom Arbeitsamt ist die Arbeitslosen bewusst falsch zu "beraten", nur damit sie "weg von der Strasse" sind.

Und um nochmal auf o.g. EDV-Kurs zurück zu kommen:
Er hat mir etwas gebracht: ohne Ihn würde ich meine Briefe heute wohl noch immer auf der Schreibmaschine tippen. ;)
Auch würde ich sicherlich nicht in irgend so einem "blöden Forum" abhängen. :D
Von der Informationsflut via Google, Wikipedia und Co. mal ganz zu schweigen.
Auch hat der EDV-Kurs meinem Vater (seinerzeit selbsständiger Buchdruckermeister) etwas gebracht: bis dato hatte er nur Mac-Computer und immer Probleme mit der Datenübernahme von Kunden, die ihre Daten z.B. auf einem Amiga erstellt haben.
Also wurde nun, wo ja jemand mit "Ahnung" in der Familie existiert, ein Windows-PC samt div. Software angeschaft.
Ich war dann dafür zuständig den ganzen Kram zu installieren und meinem Vater die Bedienung eines Windows-PCs zu erklären.
Zusammen mit seiner Erfahrung aus der Mac-Welt (z.b. über die Erstellung von PostScript-Dateien), hat dann mit der Zeit immer mehr dazu geführt dass es bei der Datenübernahme immer weniger Probleme gab.
Beruflich, hat mir der EDV-Kurs bis heute allerdings genau null, nix, nada gebracht.

Fazit:
Der EDV-Kurs war privat keine falsche Entscheidung.
Hätte er mir allerdings nur beruflich etwas bringen sollen, dann hätte ich diese 3 Monate ganz bestimmt bereut.

Wie man der doch etwas längeren Geschichte aus meinen persönlichen Erfahrung zum Thema "Beratung durch das Arbeitsamt" entnehmen kann, sollte man niemals den Aussagen des Arbeitsamtes trauen. ;)

Zum eigentlich Thema:
Du sagst dass Dein Kumpel Kenntnisse in C++ und Serveradministration hat.
Sorry, aber ich glaube nicht dass ein Zertifikat aus einem (ggf. mehrmonatigen) Kurs durch das Arbeitsamt (z.b. bei der Dekra, DAA usw.) da viel bringen wird.
Bei z.b. einem MSCA-Zertifikat, könnte die Sache schon wieder anders aussehen.

Meiner Meinung nach haben Kurse durch das Arbeitsamt auch einen bitteren Beigeschmack:
Jeder Arbeitgeber weiss dass Arbeitlose, die einen Kurs ablehnen, sanktioniert werden.
Also MÜSSEN sie am Kurs teilnehmen (wer kann es sich schon erlauben auf das Geld, von dem man leben soll, zu verzichten).
Im Umkehrschluss bedeutet es natürlich auch dass garkeine persönliche Interesse an dem Kurs bestanden haben könnte.
Und schon ist so ein "Zertifikat" (sofern es sich wirklich um ein Zertifikat handelt, das Arbeitsamt bezeichnet auch Teilnahmebescheinigungen gerne als "Zertifikat") nicht mehr viel wert.
Und wenn sich das "Zertifikat" tatsächlich nur als Teilnahmebescheinigung entpuppen sollte, dann sagt es nichtmal etwas über den Kenntnisstand aus..... sondern bescheinigt lediglich dass man beim Kurs anwesend war (zumindest Physisch :D).

Da einem das Arbeitsamt ja viel erzählt wenn der Tag lang ist, sollte Dein Kumpel sich den Kursinhalt (zumindest in groben Anhaltspunkten mit dem dazugehörigen Zeitrahmen), das Ziel und natürlich auch die Abschlussart SCHRIFTLICH geben lassen.
Andernfalls wird ihm das Arbeitsamt auf der Nase rumtanzen und sich die Sache so hindrehen wie es ihnen gefällt.
Der Kursinhalt (vgl. Lehrplan) sollte eigentlich feststehen, das Ziel dürfte die Zuführung auf den 1. Arbeitsmarkt sein, die Abschlussart (vgl. Gesellenbrief) sollte eigentlich auch feststehen.
Also alles ganz normale Bedingungen.
Wenn sich da das Arbeitsamt sträubt dieses schriftlich zu bestätigen, dann sollten alle Alarmglocken laut durchs ganze Arbeitsamtgebäude schrillen. ;)

Gruss Dr Dau

PS: sooooo viel Text, ich verzichte einfach mal auf die Kontrolle nach "Rächtschraibpfählern". :p
 

Nico Graichen

Erfahrenes Mitglied
Ich hab zwar nicht den Erfahrungsschaft wie Dr Dau, aber ich kann mich dem nur anschließen.
Dein Kumpel soll überlegen, was ihn interessiert, was er machen möchte und wo er sich vorstellen kann, bis zur Rente (falls es dann noch so was gibt) drin zu arbeiten.
Ziel der Mitarbeiter des großen A ist es in erster Linie, soviel Arbeitslose wie nur möglich in Umschulungen, Weiterbildungen, Kursen, Kurzarbeitsverhältnissen, Teilzeitjobs etc unterzubringen.
Warum? Damit fliegen die Leute aus der Arbeitslosenstatistik raus. Ich hatte bisher nur einmal das Vergnügen in dem Laden vorstellig zu werden (die wenigen Tage zwischen Bund und Beginn der Ausbildung) und dieser Besuch hat gezeigt, wie "motiviert" da "gearbeitet wird:
Begrüßung kurz nach 12 (Offen bis 13 Uhr): "Sie kommen aber spät!"
Dass ich vorher noch 300 km gefahren bin (vom Bund zum "heimischen" AA,) um rechtzeitig noch da zu sein wurde nich wirklich als Argument akzeptiert. Die folgenden 10 Minuten (hätte nie gedacht, dass sich Beamte so schnell bewegen können ^^ ) haben dann auch gezeigt, warum ich so empfangen wurde. Im Minutentakt öffnete sich die Tür gefolgt von einem "Tschüss, schönes Wocheende" (an dieser Stelle möchte ich noch mal auf die Uhrzeit verweisen!).

Ok, die Geschichte hat wenig mit dem eigentlichen Problem zu tun. Was ich damit sagen will: Das AA hilft hier relativ wenig weiter. Vor allem, wenn es darum geht, danach auch einen Job zu finden.
Das wichtigste ist hier: Eigeninitiative!
Das ist auch das, was Personaler, Vorgesetzte, Chefs, ... sehen wollen
Dieser Punkt zählt immer mehr als irgendwelcher Klein****** in Bezug auf Fachwissen. Dies lässt sich leicht aufholen!

Nutzen kann er diese Kurse (ob nun VHS, vom AA, privat sei an der Stelle mal dahin gestellt), aber dafür um seine Interessen gezielt in Qualifikationen zu ändern (selbst gesuchte Kurse akzeptiert das AA auch), nicht um aus der Statistik für 4 Wochen zu fliegen.
 

dodo123

Mitglied
Vielen Dank schonmal für die Antworten und nützlichen Tipps. Hatte bis vor kurzem noch selbst mit dem Arbeitsamt zu tun und kann vieles bestätigen, was Dr Dau geschrieben hat. War auch ne Weile in so einer Maßnahme, offiziell eine außerbetriebliche Ausbildung zum Bürokaufmann, nur mit wenig Ausbildung dafür aber mit viel Leiharbeit, was im Arbeitsamtsjargon anscheinend gerne als Praktikum bezeichnet wird.
Leider profitiert man meiner Erfahrung nach selbst kaum von solchen Maßnahmen, dafür aber private Bildungsträger, die die zum großen Teil sinnlosen Maßnahmen im Auftrag der Arbeitsagentur durchführen und dafür Unsummen kassieren. Und natürlich nicht zu vergessen, die riesige Meute von Sozialpädagogen^^

Habe meinem Kumpel erst mal den Rat gegeben auf keinen Fall sofort was zu unterschreiben und sich vorab erst mal über diese sogenannten "Kurse" zu informieren.
 

Neue Beiträge