Viele Fragen in Sachen Selbständigkeit

Matlox

Mitglied
Hallo liebe Forumuser,
ich bin nun seit ca. 8 Monaten Selbständig und habe ein paar Probleme/Fragen.
Zu meiner Person: 20 Jahre alt / Familienversichert

Angefangen hat alles Super, ich war in der Ausbildung und habe ein Nebengewerbe als DJ angemeldet um Samstags nebenbei aufzulegen.
Im Finanzamt wurde ausgerechnet das ich unter 7500 € Jahresverdienst liege und von daher die Kleinunternehmer Regelung verwenden darf (Steuerfrei).
3 Monate später kam dan alles anders. Ein Clubbesitzer hat mich dan für Freitags auch noch gebucht
(da die Bezahlung ganz gut war hab ich das Angebot angenommen) und seitdem lege ich nun Jeden Fr. & Sa. auf.

Als davon meine Ausbildungstelle erfahren hat (ich war noch in der Probezeit) wurde ich von dieser gekündigt und lege seitdem nur noch Fr. & Sa. auf.

Nun zu meinen Fragen, die wie ich weiß etwas spät kommen ....

1. Da ich eig. ja nur ein Nebengewerbe hatte als DJ aber meinen Hauptberuf (Ausbildung) nicht mehr habe, bin ich nun automatisch Hauptberuflich DJ?

2. Muss ich mich nun Privat versichern da ich nur noch selbständig bin oder kann ich die Familienversicherung noch irgendwie nutzen?

3. Durch das zweite booking bin ich nun über 7500 € gekommen und muss laut Finanzamt alles was drüber kommt versteuern. Kann ich eine andere Reglung beantragen so das ich die Steuern irgendwie auf den Rechnungen ausweißen kann und die somit nicht selbst übernehmen muss?

4. Ich denke nach ca. 1nem Jahr muss ich beim Finanzamt irgendwas einreichen (Steuererklärung oder Abrechnung oder so?!), was genau wird das sein und brauch ich dazu einen Finanzberater oder kann ich das selbst machen?

5. Ich bin derzeit auf Wohnungsuche, habe auch eine gefunden doch die wollen einen Nachweiß was ich ca. verdiene, wo bekomme ich einen Nachweiß her, Rechnungen etc. wollen die nich sehen sondern eher soetwas wie eine Gehaltsabrechnung?!


Ich bedanke mich schon einmal im voraus für jede mühe und beantwortete Frage.

Liebe Grüße

Matlox
 

Leola13

Erfahrenes Mitglied
Hai,

ich versuche mal ein wenig zu helfen. Hier in diesem Forum findest du aber sicherlich weitere hilfreiche Tipps.

1. Da ich eig. ja nur ein Nebengewerbe hatte als DJ aber meinen Hauptberuf (Ausbildung) nicht mehr habe, bin ich nun automatisch Hauptberuflich DJ?

So wie ich das sehe bist du nun Freiberuflicher DJ. Also ist DJ dein Hauptberuf.
Ich kann es mir nicht verkneifen : Wenn man einen Job/Ausbildungsplatz hat, fragt man vorher nach ob man einen Nebenjob haben darf. Ich bräuchte eine "Genehmigung", habe aber auch im Bekanntenkreis Leute denen dieses lt. Arbeitsvertrag nicht erlaubt ist.


2. Muss ich mich nun Privat versichern da ich nur noch selbständig bin oder kann ich die Familienversicherung noch irgendwie nutzen?

Die Grenze ist 360 € Einkommen pro Monat , bei Minijob 400 €. Wenn du mehr verdienst musst du dich selber versichern.
Ggf. kannst du dich als DJ bei der Künstlersolzialkasse versichern. http://www.kuenstlersozialkasse.de/


3. Durch das zweite booking bin ich nun über 7500 € gekommen und muss laut Finanzamt alles was drüber kommt versteuern. Kann ich eine andere Reglung beantragen so das ich die Steuern irgendwie auf den Rechnungen ausweißen kann und die somit nicht selbst übernehmen muss?

Wenn du mit andere Regelung eine z.B. Einnahmeüberschussrechnung bzw. Aufstellung meinst, bei der die die Umsatzsteuer evtl. in Abzug bringen kannst, sollte dies gehen.

4. Ich denke nach ca. 1nem Jahr muss ich beim Finanzamt irgendwas einreichen (Steuererklärung oder Abrechnung oder so?!), was genau wird das sein und brauch ich dazu einen Finanzberater oder kann ich das selbst machen?

Theoretisch kannst du dies selber machen, ist eigentlich gar nicht so schwer, aber einem Anfänger kann ich da nur abraten.

5. Ich bin derzeit auf Wohnungsuche, habe auch eine gefunden doch die wollen einen Nachweiß was ich ca. verdiene, wo bekomme ich einen Nachweiß her, Rechnungen etc. wollen die nich sehen sondern eher soetwas wie eine Gehaltsabrechnung?!

Da sollte dein Clubbesitzer sicherlich in der Lage sein einen Nachweis zu erstellen, der einer Gehaltsabrechnung gleich kommt. (Keine Fake einer solchen!)

Vermieter sehen es sicherlich nicht gerne, wenn sie eine Wohnung an Leute vermieten die kein festes Einkommen haben, bzw. keiner geregelten Arbeit nachgehen.
(Bitte nicht falsch verstehen, es gibt halt viele Spießer und viele Vermieter mit schlechten Erfahrungen.)

Mein Tipps lass dich beraten. Es gibt Existenzgründungsseminare o.ä. wo dir einige Grundfragen beantwortet werden, ansonsten kontaktiere einen Steuerberater und nicht zu vergessen sitzen beim Finanzamt nicht nur böse Leute.

Ciao Stefan
 

Dr Dau

ich wisch hier durch
Hallo!

Was die Ausbildungsstelle angeht:
Hast Du Dir mal anwaltliche Hilfe geholt?
Du hast seinerzeit 1x die Woche in Deiner Freizeit aufgelegt.
Wie lange? 3-4 Stunden?
Dann dürfte darunter weder die Ausbildung noch die Erholungszeit leiden bzw. gefährdet sein.
Somit könnte die Kündigung evtl. rechtswidrig gewesen sein.
Noch ist die Sache nicht verjährt.
Allerdings mit ca. 5 Monaten Unterbrechung stehen die Chancen wohl schlecht die Ausbildung fortzusetzen (zu viel verpasst, was nachgeholt werden müsste).
Aber evtl. kannst Du den Arbeitgeber, wenn die Kündigung rechtswidrig war, auf Schadenersatz verklagen.
Ein klärendes Gespräch mit dem Anwalt Deines Vertrauens kann also nicht schaden.

So wie ich das sehe bist du nun Freiberuflicher DJ. Also ist DJ dein Hauptberuf.
Falsch, einen Nebenberuf kann man auch ohne Hauptberuf haben.
Klingt verwirrend, aber ist so.
Wikipedia sagt dazu:
Als nebenberuflich gilt eine Tätigkeit, wenn die Arbeitszeit nicht mehr als ein Drittel einer vergleichbaren Vollzeitstelle beträgt.
Das Problem kann hier also die Zeit sein.
Was ist mit einem DJ vergleichbar?
Wie lange arbeitet ein "hauptberuflicher" DJ?
Wenn man nich gerade ein Star-DJ ist der von Location zu Location rund um die Welt tingelt, und auch nicht ständig auf irgendwelchen Partys auflegt, dann wird man wohl eher vieleicht 2-3 Tage/Woche in einem (oder mehreren) festen Club auflegen.
Als solcher könnte man also schon als hauptberuflich gelten wenn man nur 1-2 Tage/Woche auflegt.
Wenn aber ein Star-DJ als "vergleichbare Vollzeitstelle" herangezogen wird, sieht die Sache bei 1-2 Tagen/Wochen schon wieder anders aus.

Ist ein DJ ein Künstler?
Wenn er die Musik verändert (z.B. ein Mega-Mix erstellt), dann dürfte er ein Künstler sein (schliesslich erschafft er dann ja ein Werk).
Wenn er allerdings einfach nur Musik anderer Künstler auflegt, erschafft er kein Werk und dürfte somit auch kein Künstler sein.
Die Künstlersozialkasse sagt ja auch:
Künstler ist, wer Musik [...] schafft, ausübt oder lehrt.
Frage 4 hast Du Dir schon selbst beantwortet.
Du weisst nicht was das FA von Dir verlangen wird, also fehlen Dir die notwendigen Kenntnisse.
Daher ist es anzuraten einen Stuerberater hinzu zu ziehen.

Zur Frage 5:
Ohne festes Einkommen hat man kaum eine Chance eine Wohnung zu bekommen.
Als Angestellter, Rentner, Arbeitsloser, Hartz4 usw. hat man ein festes Einkommen..... aber nicht als Selbständiger, Lottogewinner usw.

Gruss Dr Dau
 

Leola13

Erfahrenes Mitglied
Hai,

Was die Ausbildungsstelle angeht:
Hast Du Dir mal anwaltliche Hilfe geholt?
Du hast seinerzeit 1x die Woche in Deiner Freizeit aufgelegt.
Wie lange? 3-4 Stunden?
Dann dürfte darunter weder die Ausbildung noch die Erholungszeit leiden bzw. gefährdet sein.
Somit könnte die Kündigung evtl. rechtswidrig gewesen sein.
Noch ist die Sache nicht verjährt.
Allerdings mit ca. 5 Monaten Unterbrechung stehen die Chancen wohl schlecht die Ausbildung fortzusetzen (zu viel verpasst, was nachgeholt werden müsste).
Aber evtl. kannst Du den Arbeitgeber, wenn die Kündigung rechtswidrig war, auf Schadenersatz verklagen.
Ein klärendes Gespräch mit dem Anwalt Deines Vertrauens kann also nicht schaden.
Gruss Dr Dau


oben ist von einer Probezeit die Rede, d.h. meines Wissens nach meistens : "Ohne Angabe von Gründen, innerhalb von X."


Ciao Stefan
 

c4esar

Mitglied
Hi Matlox,

Zu Frage 3. und 4.:
Meine Frage ist: wie kommst Du auf den Betrag von 7.500 EUR?

Ich fürchte, Du vermischt Einkommensteuergesetz und Umsatzsteuergesetz; siehe die hier genannten Beträge:
http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
und
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__32a.html

Mein Rat wäre, Dein zuständiges Finanzamt aufzusuchen, dort gibt es oft eine Stelle extra für "Neu"-Unternehmer.
Das ist zunächst günstiger, als sich direkt einen Steuerberater zu nehmen; und dieser Weg steht Dir danach ja noch immer offen.
 

Dr Dau

ich wisch hier durch
oben ist von einer Probezeit die Rede, d.h. meines Wissens nach meistens : "Ohne Angabe von Gründen, innerhalb von X."
Kommt auf die Länge der Probezeit an (die darf u.U. nämlich auch mehr als die üblichen 6 Monate betragen).
Nur in den ersten 6 Monaten darf ohne Angabe von Gründen gekündigt werden, ab dem 7. Monat MUSS eine Begründung angegeben werden.
Abgesehen davon geht aus dem Thread auch nicht hervor ob die Kündigung schriftlich erfolgt ist und ,wenn ja, was in dieser Kündigung drin stand (es soll ja auch schon Arbeitgeber gegeben haben die sich selbst "ein Ei gelegt" haben ;)).
 

bergonline

Erfahrenes Mitglied
Hey,

Als davon meine Ausbildungstelle erfahren hat (ich war noch in der Probezeit) wurde ich von dieser gekündigt und lege seitdem nur noch Fr. & Sa. auf.

ich will Dr Dau nur Recht geben,
solange du kein konkurrierendes Gewerbe betreibst oder dies deine Ausbildungszeit einschränkt,
bräuchstest du deinem Arbeitgeber eigentlich nichts sagen,
da es deine Freizeit ist.
Deshalb wäre ein Rat vom Anwalt hilfreich gewesen.
bin fertig :p

mfg

bo

edit: Probezeit übersehen sry; also bringt der Anwalt dann eher doch nichts
 

Matlox

Mitglied
Hi, erstmal vielen lieben Dank für die vielen Antworten!

Das mit der Ausbildung ist mitlerweile egal, wollte nur einen Grund angeben warum ich nun mein geplantes einkommen übertreffe.
(und das mit der Kündigung während der Probezeit ist richtig, das dies ohne angaben geschehen darf.)

Und im Finanzamt war ich auch, die haben mir das gesagt mit den 7500 €, die darf ich Maximal verdienen und alles was drüber geht muss ich versteuern.
(d.h. derzeit weiße ich keine Umsatz -oder Mehrwertsteuern auf meinen Rechnungen aus. Brutto = Netto.)

Ich würde nur gerne die Steuern jetzt langsam mal ausweißen dürfen, damit nicht ich sondern der Club die Zahlt.

Also werde ich wohl eine Steuererklärung abgeben müssen und die Umsatzsteuer beantragen?
die wird wohl mit bischen lesen auch ohne Steuerberater gemacht werden können :)

LG Matlox
 

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