Verletzung von Urheberrechten. Meine Schuld?

Tribalman

Erfahrenes Mitglied
Ich habe vor gut zwei Jahren als Student eine
Internetseite für eine Firma gestaltet, programiert
und online geschaltet.

Einen schriftlichen Vertrag gab es damals nicht,
hat aber auch alles reibungslos funktioniert.

Jetzt habe ich einen Brief von der Firma erhalten.
Offensichtlich liegt gegen meinen ehemaligen
Auftraggeber eine Klage wegen unlizensierter
Nutzung von Kartenmaterial im Internet vor.

Das Kartenmaterial diente der Anfahrtsbeschreibung.
Ich habe es von meinen Auftraggeber zusammen
mit allen anderen Daten erhalten, bearbeitet und online
gestellt. Für das Kartenmaterial lagen keine Lizenzen
vor. Jetzt soll ich verantwortlich gemacht werden.

:mad:

Inwiefern ist es meine Pflicht, Material, dass mir
vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt wird auf
Nutzungsrechte zu prüfen ?

Trifft mich aufgrund der Bearbeitung von urheber-
rechtlich geschützem Material eine Teilschuld ?

Ist nicht der Anbieter der Inhalte zur Kontrolle
verpflichtet und haftbar ?

An wen wende ich mich jetzt am besten? An
meine Haftpflichtversicherung?


Ich werde mich erst am Montag mit meinem ehemaligen
Auftraggeber in Verbindung setzen. Vielleicht habt ihr bis
dahin schon ein Tipps.

Danke,
Stefan
 

Sven Mintel

Mitglied
Ich befürchte, es bringt nix, da Vermutungen anzustellen....wenn sie dich wirklich dafür belangen wollen, wirst du um den Gang zu einem Anwalt nicht herumkommen.... und nur ein solcher ist dazu(hoffentlich) in der Lage, sachdienliche Ratschläge zu geben.

Deiner Haftpflichtversicherung, so schätze ich, wird das ziemlich egal sein:(
 

Tribalman

Erfahrenes Mitglied
Naja, ich dachte die Haftpflicht wäre evtl. zuständig
weil sie sich auch um Schadensersatzansprüche
kümmert. So wie es aussieht werde ich mich wohl
um einen Anwalt kümmern müssen.

Bringt es was jetzt noch eine Rechtsschutz-
versicherung abzuschließen? Oder haftet die nur
für Fälle die nach Versicherungsabschluss auftreten?
 

Sven Mintel

Mitglied
Für die Rechtschutzversicherung ist's jetzt leider a bisserl zu spät.... die merken ja ziemlich schnell, wann sich der Gläubiger gerührt hat.
 

fluessig

Royal Blue
Tatsache ist, dass du dich bemühen musst den tatsächlichen Wortlaut des mündlichen Vertrages zu rekonstruieren, was nach dieser langen Zeit freilich mehr als schwierig ist.

Fakt ist, du bist der Angeklagte und darfst natürlich auch so lange die Unwahrheit behaupten, bis man dir das Gegenteil beweisen kann. Überleg dir also, was sie beweisen können und überleg dann, wie du deinen Standpunkt darstellen möchtest.

Ich möchte dich nicht zur Lüge animieren, aber Tatsache ist, dass nicht du die Inhalte online geschalten hast und bei denic ist auch nicht dein Name als Seiteninhaber/Admin eingetragen. Die dort genannte Person entschied, was online geschalten wird.

Meines Erachtens kann dich eventuell eine Teilschuld erwarten. Entscheidend ist dabei auch, wie erfahren du zu diesem Zeitpunkt mit dem Thema Internet warst und wie sehr du mit dem Urheberrecht vertraut warst. Und natürlich mit welchen Worten dir das Kartenmaterial in die Hand gedrückt wurde.

Das ist alles sehr schwammig und unschön. Was erwartet dein Auftraggeber von dir? Etwa dass du die volle Schuld auf dich nimmst?

Bevor du einen Schritt zum Anwalt unternimmst, informiere deinen Auftraggeber, dass du das auf keinen Fall akzeptieren wirst.

Das alles ist schon ziemlich beschissen, ich hoffe, dass es gut für dich ausgeht.
 

Basileus

Erfahrenes Mitglied
Hi -

du hast drei Ansatzpunkt zu deiner Verteidigung:

erstens: Gestaltung

Hast du das Kartenmaterial mit einer hinreichenden Gestaltungstiefe bearbeitet und überformt, so hat der Kläger kein Recht mehr an deiner Arbeit, und die Klage ist hinfällig. Was eine hinreichende Gestaltungstiefe ist, entscheidet der Richter nach gesundem Menschenverstand, Setz dich hin, schau dir die Karte an , schau dir dein Werk an, und überlege ob du damit durchkommen kannst....

zweitens: Standardvertrag

Es gibt keine mündlichen Verträge, bzw es gibt sie nur, solange es keinen Streit gibt. Gibt es Streit, gilt der sogenannte Standardvertrag. In diesem Falle ein sogenannter Standard Werksvertrag - suchen, lesen, und klären, ob die Haftungsfrage für DrittRechte in diesem geklärt ist. Und wenn ja, wie diese auf deinen Fall anzuwenden ist.

drittens: schieb deinem ex. Auftraggeber alle Schuld zu
, mach das aber nur, wenn alles andere versagt.


B
 

Tribalman

Erfahrenes Mitglied
Es gibt keine mündlichen Verträge, bzw es gibt sie nur, solange es keinen Streit gibt. Gibt es Streit, gilt der sogenannte Standardvertrag. In diesem Falle ein sogenannter Standard Werksvertrag

Meines Wissens wird bei einem "mündlichen" Vertrag
das BGB zu Rate gezogen. Das Bürgerliche Gesetzbuch
ist gewissermaßen der Notanker in Rechtsfragen.

Noch kann ich ohnehin nichts genaues sagen, da ich meinen
ehemaligen Auftraggeber noch nicht erreicht habe. Mal sehen
was genau der jetzt von mir erwartet.

Ich lass euch wissen wie es ausgegangen ist ...

Danke,
Stefan
 

Basileus

Erfahrenes Mitglied
Jo,

der Standard Werksvertrag setzt die Bestimmung 'Ansonsten gelten die Regeln des BGB' um, indem er die im BGB verstreuten Regelungen bequem zusammenfasst - das ist jetzt keine Rechtsberatung....

B
 

Tribalman

Erfahrenes Mitglied
Puh!

Also, so wie es aussieht bin ich vom Haken.
Konnte meinen ehemaligen Auftraggeber davon
überzeugen, dass er für Bereitstellung und
Veröffentlichung der Inhalte verantwortlich war.

Mehr Glück als Verstand. Kids, don´t try this at
home. Verträge immer schön schriftlich festhalten –
auch wenn´s nur um ein paar Kröten geht …

;-)

Stefan
 

fluessig

Royal Blue
Freut mich, dass es so glücklich für dich auszugehen scheint.

Ich wollte nicht neunmalklug erscheinen, darum hab ichs zuvor nicht geschrieben. Ich würde meine Anfahrtswege auch mit vorhandenen Karten anfertigen. Allerdings würde ich sie mit einem Vektorprogramm nachzeichnen und alles etwas gröber machen. Dann kann kein Mensch mehr herleiten woher man das Material hat.

Eine andere Farbgebung tut ihr übriges.