Rechtliche Frage Webdesign

Kaeschdin

Erfahrenes Mitglied
Hallo zusammen,

ich brauche Rat zu folgendem Sachverhalt:

Ich habe vor einem Monat einen Webdesign-Auftrag angenommen. Dem voraus ging mein Kostenvoranschlag per Email. Die Zusage kam per Telefon. Es existiert kein schriftlicher Vertrag über den Auftrag.

Nun habe ich ein Konzept abgeliefert, in das ich viel Arbeit gesteckt habe und von dem mein Umfeld angetan war (das nur nebenbei - es war also kein Larifari-Entwurf). Der Entwurf ging per Mail an den Auftraggeber.

Der Auftraggeber möchte nun aber, dass ich die Website komplett an eine im Netz vorhandene Seite anlehne (um nicht zu sagen: abkupfere). Dies verstößt aber gegen meine Prinzipien. Zudem lebt diese im Netz vorhandene Seite von Elementen wie Logo (hat mein Auftraggeber keins) und ästhetischen Fotos (mein Auftraggeber hat/macht keine Fotos). Das ganze ist kombiniert mit einer horizontalen Navigation mit kurzen Navigationspunkten (mein Auftraggeber hat lange Punkte, meist aus zwei längeren Worten bestehend) und wenig Text (ihr ahnt es sicher schon: mein Auftraggeber hat minimum eine Din-A4-Seite pro Navipunkt). Die Website belegt etwa die Hälfte des Bildschirms.

Da ich nicht zaubern kann, nicht abkupfern will und kein Kompromiss verhandelbar ist, möchte ich den Auftrag nun absagen. Zudem ist der Rechner des Auftraggebers so grottig, dass der Monitor die Farben nicht richtig wieder wiedergibt (sagt der Auftraggeber selbst) und einfache Dateiformate wie eine Flash-HTML-Seite Probleme bereiten.

Nun meine Frage: In meinem per Email verschickten Kostenvoranschlag ist ein Punkt "Konzept/Entwurf" mit einem Betrag enthalten. Damit wollte ich mich für den Fall absichern, dass ich dem Auftraggeber einen Entwurf präsentiere, er dankend ablehnt und den Auftrag von jemand anderem machen lässt. Kann ich dem Auftraggeber nach meiner Absage (guten Gewissens) diesen Punkt in Rechnung stellen?

Danke schonmal.
 

Rena Hermann

Erfahrenes Mitglied
Wenn du den Vertrag (auch ein mündlicher ist ein solcher ... kritisch wird's nur, das zu beweisen) von dir aus aufhebst, wird's wahrscheinlich schwierig ...
Versuch es, mehr als nein sagen kann er ja nicht. Wenn du den Auftrag von deiner Seite beendest, bist du den Kunden eh los .. so what ..

Ob sich dann weitergehende Wege lohnen - weiß nicht.
Pragmatischer Ansatz: Steckst du deine Energie lieber in langwierige Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang oder in weitere Projekte?. ;)

Die Entscheidung, wie hartnäckig du dich da dran hängst, ist sicher auch abhängig von dem Betrag um den es geht.



Was ich in jedem Fall dann machen würde, wenn du den Vertrag aufhebst:
Alle Unterlagen zurückfordern und ihm gegenüber schriftlich erklären, dass eine Verwendung des Konzepts ohne Absprache (und spätestens dann Honorar in vereinbarter Höhe) nicht gestattet ist. Das ist zwar im Grunde Kokolores aber kommt gut *g* und es ist etwas schwarz auf weiß, falls da ein Problem entstehen sollte.


Zur Sache selbst:
Ist im nachhinein immer problematisch, wenn die Wünsche des Kunden nicht konkret abgeklopft und möglichst schriftlich (zumindest eine Email nach dem Briefing als eine Art Besprechungsprotokoll macht Sinn) festgehalten/bestätigt werden. In diesem Gespräch kann ja dann schon auf die von dir genannten Probleme eingegangen und auch die Grenze zwischen "anlehnen" und "abkupfern" diskutiert werden. Da liegt möglicherweise ein "Beratungsfehler" deinerseits vor.
Denn darin liegt meistens das Problem: Der Kunde hat eine konkrete Vorstellung, äußert sie aber nicht konkret bzw. ist sich nicht mal deren bewußt. Diese rauszukitzeln ist Teil der Beratung. Das kann anhand von Beispielseiten sein, durch Hinhören und Rückfragen geschehen usw.
Wenn dem so war ... bzw. eben nicht -> als Lehrgeld abhaken, nächstes Mal besser machen.

Stellen sich im Nachhinein Diskrepanzen zwischen "Wunsch und Wirklichkeit" heraus oder du hast eine ganz andere Idee, hilft ein Zwischengespräch in der Konzeptphase, in dem eben jenes angesprochen/begründet wird, Lösungswege/Alternativen besprochen/aufgezeigt und dann Bezug darauf beim Präsentieren des Konzepts genommen wird.


Mit dem Abkupfern:
Ja, das ist so eine Sache. Stellt sich die Frage, ob er eh generell eins zu eins Abkupfern wollte oder einfach mit deinem Konzept nicht zufrieden war und nun selbst aktiv wurde und (vermutlich laienhaft - klar, Webdesign ist ja nicht sein Geschäft) eine für sich passende (Wunsch, nicht Wirklichkeit *g*), also eigentlich nur ihm gefallende Seite rausgesucht hat.

Im letzteren Fall könntest du natürlich mit ihm weiter arbeiten und bei Schritt zwei (Wie bei "Im Nachhinein" geschrieben ...) wieder in die Beratung einsteigen. Wie du schreibst, wird das rein inhaltlich ja schon nix mit dem Abkupfern ... und wenn's dann noch um einzelne Elemente geht - die machst du in deinem neuen Konzept einfach "davon inspiriert", aber nicht abgekupfert sondern _noch_ besser. ;-)

Oder aber du läßt's halt. ;)

Wie auch immer du dich entscheidest ... viel Erfolg. :)

Gruß
Rena
 
Zuletzt bearbeitet:

Kaeschdin

Erfahrenes Mitglied
Rena Hermann hat gesagt.:
Ob sich dann weitergehende Wege lohnen - weiß nicht.
Pragmatischer Ansatz: Steckst du deine Energie lieber in langwierige Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang oder in weitere Projekte?. ;)

Die Entscheidung, wie hartnäckig du dich da dran hängst, ist sicher auch abhängig von dem Betrag um den es geht.

Hartnäckigkeit lohnt in dem Fall nicht.

Rena Hermann hat gesagt.:
Was ich in jedem Fall dann machen würde, wenn du den Vertrag aufhebst:
Alle Unterlagen zurückfordern und ihm gegenüber schriftlich erklären, dass eine Verwendung des Konzepts ohne Absprache (und spätestens dann Honorar in vereinbarter Höhe) nicht gestattet ist. Das ist zwar im Grunde Kokolores aber kommt gut *g* und es ist etwas schwarz auf weiß, falls da ein Problem entstehen sollte.

Super Idee. Danke.

Rena Hermann hat gesagt.:
Zur Sache selbst:
Ist im nachhinein immer problematisch, wenn die Wünsche des Kunden nicht konkret abgeklopft und möglichst schriftlich (zumindest eine Email nach dem Briefing als eine Art Besprechungsprotokoll macht Sinn) festgehalten/bestätigt werden. In diesem Gespräch kann ja dann schon auf die von dir genannten Probleme eingegangen und auch die Grenze zwischen "anlehnen" und "abkupfern" diskutiert werden. Da liegt möglicherweise ein "Beratungsfehler" deinerseits vor.

Zum Gespräch, das meinem Konzept voranging:

Alle dort angegebenen Punkte habe ich beachtet (CI-Farben nutzen, Wiedererkennungswert (nachdem der Kunde zuvor die Visitenkarte bekommen hat), Platz für den Text und ihr Portraitfoto sowie alle angegebenen Don'ts).

Damals hat der Auftraggeber erwähnt, dass es eine (und nur die eine) Seite im Web gäbe, die ihm gefällt. Die sollte ich mir mal anschauen. Später (nachdem ich die Seite gesehen hatte) haben wir uns kurz über die Seite unterhalten und als Resultat festgehalten, dass wir sie beide sehr ästhetisch finden. Diese Ästhetik (Auftraggeber - eigentlich Auftraggeberin - trägt Chanel - passt irgendwie zum Anspruch) habe ich ebenfalls bei meinem Konzept berücksichtigt. Sie wurde mir auch von verschiedenen Seiten bescheinigt.

Bei dem Gespräch damals war noch nicht mal daran zu denken, dass sie einen solch großen Teil dieser Seite selbst auch verwendet haben möchte.

Rena Hermann hat gesagt.:
Denn darin liegt meistens das Problem: Der Kunde hat eine konkrete Vorstellung, äußert sie aber nicht konkret bzw. ist sich nicht mal deren bewußt. Diese rauszukitzeln ist Teil der Beratung. Das kann anhand von Beispielseiten sein, durch Hinhören und Rückfragen geschehen usw.
Wenn dem so war ... bzw. eben nicht -> als Lehrgeld abhaken, nächstes Mal besser machen.

Wie gesagt: Hab ich durchaus getan (Hinhören, Rückfragen etc.)

Rena Hermann hat gesagt.:
Stellen sich im Nachhinein Diskrepanzen zwischen "Wunsch und Wirklichkeit" heraus oder du hast eine ganz andere Idee, hilft ein Zwischengespräch in der Konzeptphase, in dem eben jenes angesprochen/begründet wird, Lösungswege/Alternativen besprochen/aufgezeigt und dann Bezug darauf beim Präsentieren des Konzepts genommen wird.

Mir fiel heute morgen ein, dass sie bei dem Gespräch nach dem Konzept dem Kommentieren meiner eigentlichen Arbeit immer aus dem Weg gegangen ist und auf ihre Lieblingsseite zu sprechen kam. Auch ein Indiz dafür, wie fixiert sie mittlerweile ist.

Rena Hermann hat gesagt.:
Mit dem Abkupfern:
Ja, das ist so eine Sache. Stellt sich die Frage, ob er eh generell eins zu eins Abkupfern wollte oder einfach mit deinem Konzept nicht zufrieden war und nun selbst aktiv wurde und (vermutlich laienhaft - klar, Webdesign ist ja nicht sein Geschäft) eine für sich passende (Wunsch, nicht Wirklichkeit *g*), also eigentlich nur ihm gefallende Seite rausgesucht hat.

Diese andere Website fand sie ja vorher schon toll, weil ästhetisch. Sie konnte jedoch nie begründen, warum. Ich hab mein Konzept dann eben auch ästhetisch und clean gestaltet. In dem Gespräch danach hab ich sie dann auf die Diskrepanzen (Fotos etc.) hingewiesen. Sie hatte es da scheinbar eingesehen. Am nächsten Tag kam eine Mail: "Bitte schauen sie sich diese Seite nochmal an. Ich möchte das genau so haben" (so in etwa war der Wortlaut)

Rena Hermann hat gesagt.:
Wie auch immer du dich entscheidest ... viel Erfolg. :)

Danke. Im Prinzip hab ich mich entschieden und abgesagt ;)

Und danke für deine ausführliche Antwort.