Österreich: App-Entwicklung unter 18

kannaum

Mitglied
Hallo,

Ich spiele in letzter zeit mit dem Gedanken Apps für iOS-Devices zu erstellen (keine Angst, ich erwarte mir nicht Millionär zu werden ;)).
Nun muss ich ja aber ein Gewerbe, oder ähnliches anmelden.
Nun mein Problem:
Ich bin noch minderjährig und somit ist das ganze etwas schwieriger.
Ich habe schon gefunden, dass zuerst geschaut wird, ob man überhaupt geschäftsfähig ist und sich mit diesem Thema auskennt.

Nun aber meine Frage:
Die ganzen Vorgänge hören sich für mich sehr komplitziert an und da ich ja nur 75€ im Jahr zahlen muss und sonst gar keine Verluste machen kann, wollte ich fragen, ob dann noch immer das alles nötig ist?

Wäre nett wenn jemand ein bisschen darüber berichten könnte, denn im Internet findet man leider nicht sehr viele Informationen.

mfg philipp
 

sheel

I love Asm
Hi

endlich mal österreichisches Recht :)

Vorneweg: Keine Garantie, das alles stimmt.

Ob das Gewerbe nötig ist: Ja.
Grob gesagt: Alles, was regelmäßig ist und Gewinn bringen soll, braucht das.

Berechtigung bzg. Alter: Mit Einverständnis der Eltern kein Problem.
Bei Konkurs etc. haften (je nach GW-Form) die Eltern ggf. aber auch mit.
Wenn du dann 18 wirst: Nochmal zur WKO (etc) und die Eltern rausnehmen lassen.
Nicht darauf verlassen, dass das automatisch geht.

Gewerbeform: Einzelgewerbe. Ein Chef. Du.

Kosten laufend:
Die 75€ sind für deine Tätigkeit gemeint, oder?
Da kommen (im besten Fall) aber min. 98€ Unfallversicherung dazu (im Jahr).
Um "nur" so wenig zu zahlen musst du bei der Anmeldung einen Antrag auf Kleinunternehmerregelung und einen auf Ust-Befreiung stellen.
Der Nachteil des Ganzen: Max. 4400€ Gewinn bzw. 30000€ Umsatz im Jahr.
Wenn du da drüber kommst oder den Antrag nicht stellst kommt Einkommenssteuer und Komplettversicherung dazu, das wird dann teuer.
Vor allem wegen der Mindestbeitragsgrundlage.
Unter 1000€ Einnahmen im Monat würdest du so dann nur Verluste machen.
Also unbedingt Kleinunternehmerregelung. Zumindest für den Start.

Berechtigung für das Gewerbe, vom Alter unabhängig:
Bei vielen (nicht allen) Gewerben muss der Gründer einen Nachweis erbringen, dass er sich mit seinem Gebiet auch auskennt.
zB. Ein Waffenhändler muss Waffen verwenden und reparieren können und auch rechnerisch in der Lage sein, Rechnungen auszustellen. Vereinfacht gesagt.
Auch im Softwarebereich ist so eine Berechtigung meistens nötig (kann im Einzelfall abweichen).
Für die Berechtigung kannst du entweder eine Prüfung ablegen, einen anderen Berechtigten mit in die Firma holen oder ein Zeugnis einer entsprechenden Ausbildung (HTL, FH, Uni...) zeigen.

Die €-Angaben sind alle ungefähr, nicht auf Cent genau.

Mach bei einer von den regelmäßigen Gründerberatungen der WKO/gründerservice/build mit.

Gruß
 

kannaum

Mitglied
Schon mal vielen, vielen Dank.
Ich dachte wirklich nicht, dass ich so schnell so eine so gute Rückmeldung bekomme :)

Die 75€ habe ich für das Apple Developer Programm gemeint.
Um Apps im App-Store anbieten zu müssen muss man um die 75€ zahlen (ich glaube ein bisschen mehr, aber das ist ja jetzt nicht so wichtig)

Könntest du das mit der Unfallversicherung bitte noch etwas genauer erklären?
Ist das als Programmierer wirklich nötig?
Immerhin würde ich ja nur in meinem Zimmer vor dem Laptop sitzen und wenn da etwas passieren würde (keine Ahnung was ;)) dann kann sich ja niemand sicher sein, dass das jetzt bei der "Arbeit" passiert ist oder beim privaten Surfen.

Ein richtiger Nachteil mit den 4400€ ist das aber für mich eh nicht.
Es würde mich schon freuen, wenn ich den einen oder den anderen € Umsatz machen würde.
Es wäre schon ein Traum, wenn ich das Geld vom Apple Developer Programm wieder reinbekommen würde.
Das soll ja auch eher ein Hobbie sein ;)

Zu der Berechtigung für das Gewerbe:
Ich habe das auch schon gelesen, dass es das bei manchen Berufen gibt.
Aber bei der Liste dazu, kommt eigentlich nichts in diese Richtung vor und es heißt, dass man für alles, was da nciht dabei ist keine Berechtigung braucht.
Und wenn man doch eine braucht:
Wie schwer ist das dann?
Ich bringe mir jetzt schon seit einiger Zeit durch Bücher selber Programmieren bei.
Ich werde das ganze dann natürlich erst machen, wenn ich schon Erfahrung mit der Programmierung von Apps habe, also ich schon mehr wie "hallo Welt" kann, aber auch nicht genug für irgendwelche komplexeren Sachen.


Noch mal vielen Dank für deine äußerst hilfreiche Antwort!

mfg Philipp
 

sheel

I love Asm
Also, zuerst nochmal was zum Kleingewerbe mit Ust-Befreiung selbst:
Was du regelmäßig machen musst, auch wenn du nichts verdienst, ist also:
  • UfVers. (zw. 90-100€ jährlich, da steht unten noch was dazu)
  • Einkommenssteuererklärung: Ausfüllen, wenn du ein Formular geschickt bekommst. Üblciherweise nicht öfter als viermal im Jahr, kann aber auch nur einmal im Jahr passieren.
    Da musst du als Kleingewerbe nur eben angeben, wieviel du mit welcher Art Arbeit verdient hast, mit den genanten €-Grenzen ist keine E-Steuer zu zahlen. Nur ausfüllen.
  • Alle gewerblichen Einnahmen/Ausgaben mitprotokollieren und ggf. dem Finanzamt zeigen, wenn sie es sehen wollen (nur wenn, die melden sich dann schon selber).
    Was da alles aufgeschrieben sein muss, besser nachfragen. Nicht das ich was Falsches sag.

Unfallversicherung: Ist Teil der Sozialversicherung, muss jeder Angestellte/Selbstständige bezahlen.
Die Höhe unterscheidet sich, aber zahlen muss es jeder, unabhängig vom Beruf.
Mit der Kleinunternehmerregelung bleibt dir (aus Wenig-Gewinn-Gründen) die
komplette SV erspart (Krankenv., Unfallv., Pensionv., Arbeitslosenv., usw)
Die meisten Teile davon sind prozentuell vom Gewinn abhängig, und nicht wenig.
Die Unfallversicherung ist aber ein Fixbetrag, eben die ca. 98€ im Jahr.
Das ist der einzige Teil der SV, den man als Kleinunternehmer zahlen muss.
(eben max. 4400 Gewinn und 30000 Umsatz im Jahr)

Muss aber unbedingt bei der Anmeldung beantragt werden, dass du das verwenden willst.
Un wenn man einmal drüber ist und somit aus der Befreiung rausfällt kann man nicht einfach nächstes Jahr wieder rein, also aufpassen. Einmal SV, immer SV. Auch wenn du nur einmal über 4400 warst und im nächsten Jahr nur noch 1€ verdienst.

Berechtigung: In der Liste sind drei Sachen, die man etwas großzügig auch aufs Programmieren auslegen könnte. Entschieden wird das dann sowieso von Fall zu Fall.
Ich denk, mit etwas Überredungskunst könnte das schon gehen.
Du machst ja keine 10-Leute-Firma auf, oder bekommst Aufträge vom Staat,
du willst dir ja nur etwas dazuverdienen,
von dem du ohne Eltern (mit Kleinunternehmerregelung) sowieso nicht leben kannst.

Berechtigungsprüfung: Keine Ahnung, wie schwer die ist. Hab nie eine gemacht.
Hab die Erlaubnis schon auf einem Zeugnis :)

Wie immer keine Garantie auf Richtigkeit/Vollständigkeit.

Gruß
 

kannaum

Mitglied
Vielen Dank für die hifreiche Antwort!

Zwei kleine Fragen hätte ich aber noch:
Damit man überhaupt den Gewerbeschein (oder wie das heißt) bekommt muss man ja zuerst ein paar Gebühren zahlen.
Um davon befreit zu werden gibt es ja das Neugründungsförderungsgesetz.
Weißt du zufällig wann man da hineinfällt und ob ich auch hineinfallen würde?

Und meine letzte Frage:
Ich könnte mir vorstellen, dass ich einmal sagen werde, dass ich gerne mal ein Jahr "aussetzen" möchte, also keinen Gewinn anstrebe.
Geht das denn überhaupt?

mfg Philipp
 

sheel

I love Asm
Hi

Neufög: Das befreit nur von manchen Gebühren, nicht von allen.
Aber ja, das kannst du machen.
Um das zu bekommen, muss es
a) Eine Neugründung bzw. größere Änderung von einem Betrieb sein (also nicht, dass der Chef in Pension geht und sein Stellvertreter/Sohn übernimmt, sondern wirklich was Neues)
b) Von dir in den letzten X Jahren nichts Ähnliches gegeben haben.
Da das dein erstes Gewerbe wird trifft auch das zu.

Ein Jahr aussetzen: Ja, das geht. Muss nur gemeldet werden, dann passts.

Gruß
 

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