Dieses Tutorial zeigt wie man ganz einfach mit Inkscape ein schickes Logo für seine Homepage erstellen kann. Das Tutorial richtet sich an den versierten Einsteiger. Es sollten also zumindest grundlegende Kenntnisse der Benutzung eines beliebigen Grafikprogramms vorhanden sein.
(Alle Graphiken in diesem Tutorial können vergrößert werden)
Motivwahl
Als erstes Beginnen wir mit der Motivwahl.
Da ich bereits einen äußerst schicken
Briefkopf hab, möchte ich gerne mein Logo daran Anlehnen.
Die Lange Linie mit dem AW sieh ein wenig aus wie von einem EKG, daher bleibe ich Bei diesem Motiv.
Dokument einrichten
Zuerst erstellen wir uns ein neues Dokument.
In den Dokumenteneinsellungen (Datei>>Dokumenteneinstellungen) nehmen wir folgende Einstellungen vor:
Das Format bekommt die Größe 800x100 pt.
FYI: 1 Inch (in) = 6 Picas (pc) = 72 Point (pst) Dies ist Betriebssystem unabhängig. Anders sieht das mit den Pixeln (px) pro Inch aus. Währen MacOS 72 dpi verwendet ist der Standard unter Windows 90 dpi. Dies führt dazu, dass beispielsweise ein ein Inch großer Buchstabe unter MacOS auf dem Bildschirm 72 Pixel hoch ist und unter Windows 90 Pixel, also größer.
Da Inkscape intern 90dpi verwendet kann es für Windows Nutzer sinnvoll sein die Maßeinheit px statt pt zu verwenden.
Unser Hintergrund bleibt erst mal transparent, später werden wir ihm noch diverse verrückte Farben verpassen, damit er sich besser von unserm Arbeitsobjekt abhebt.

Skizze
Ich beginne oft mit einer groben Skizze wobei ich jedoch für jeden Teil bereits eine eigene Ebene verwende. Darum lassen wir uns noch die Ebenen anzeigen (Ebene>>Ebenen), die brauchen wir noch zu genüge.
Nun legen wir uns eine neue Ebene (über der aktuellen) an, nennen wir sie Schriftzug.
Als nächstes erstellen wir mit dem Pfadwerkzeug die Grundlinie.

Das ganze ist jetzt noch ein wenig krumm und schief, was nicht so problematisch ist, wir wollen ja eh erst mal ein grobes Gefühl für unser Bild bekommen.
Die Schrift fügen wir später hinzu.
Um für die Proportionen unseres Banners besser im Blick zu haben, fügen wir zu erst unseren Hintergrund hinzu.
Unsere Ebene1 benennen wir noch schnell in Hintergrund um und los geht's.
Mit dem Rechteck Werkzeug erstellen wir uns ein Rechteck. Im Editor für Füllung und Kontur setzen wir die Kontur auf "nicht zeichnen" (das kleine Kreuz) und die Füllung auf ein Kräftiges Grün.

Darauf kommt jetzt noch ein Schwarzes Rechteck und falls es nicht bereits geschehen ist, ändern wir die Farbe unserer Grundlinie auf das bereits vorher verwendete kräftige Grün.

Das Ganze sieht noch so richtig schön mistig aus, aber wir haben jetzt zumindest einmal eine vage Vorstellung wie unser Banner aussehen wird.
Auf die Grundlinie kommt noch der Rest meines Namens. Dabei ist zu beachten dass wir die Schriftzug Ebene ausgewählt haben sollten, damit wir nicht auf dem Hintergrund schreiben. Sollten wir jedoch mal ein Objekt auf der falschen Ebene eingefügt haben, können wir es später auch immer noch Verschieben (Menüpunkt Ebene).
Beginnen wir mit der Feinarbeit
Hintergrund
Zuerst setzen wir die Hintergrundfarbe in den Dokumenteneinstellungen auf eine dunkle (nicht schwarze) Farbe, so haben wir beim Arbeiten einen besseren Kontrast.
Jetzt richten wir den Hintergrund korrekt aus.
Wir wählen mit dem Auswahl Werkzeug das grüne Rechteck an.
Dann wählen wir das Rechteck Werkzeug und ändern in der Toolleiste direkt über dem Zeichenbereich die Breite auf 784, die Höhe auf 84.

Jetzt klicken wir wieder auf das Auswahl Werkzeug und setzten X und Y Wert auf 8.

FYI: Ändert man die Größe über das Auswahl Werkzeug werden Unschärfe, Eckenradien und Farbverläufe skaliert. Änderungen über das Rechteck Werkzeug sind sicherer.
Das Schwarze Rechteck bekommt die Werte: X=10, Y=10, Breite=780, Höhe=80.
Später werden Wir dem Grünen Rechteck noch ein wenig Unschärfe geben, um einen schönen Leuchteffekt zu erzeugen. Unschärfe verlangsamt Inkscape jedoch stark, so dass es besser ist Unschärfe zum Schluss hinzuzufügen. Bei unserem Kleinen Bild wäre das noch nicht ganz so dramatisch in großen Bildern wird das scrollen dann jedoch sehr schnell zu einer Diashow.
Vordergrund
Unsere Grundlinie passt wahrscheinlich noch nicht so schön in den Schwarzen Kasten, daher müssen wir hier auch noch ein wenig Feinausrichtung betreiben. Mit dem Knoten Werkzeug können wir einzelne Knoten markieren und Punktgenau positionieren. (Wir haben auch wieder die kleinen Textfelder in der Toolleiste.)
Zum erstellen von Schrift nutzen wir das Textobjekte Werkzeug (das Große A in der linken Leiste). Die Schriftart und Größe sollte passend geändert werden (Bei mir Consolas, 48). Ich habe auch die Dicke der Grundlinie auf 4 erhöht (Dialog Füllung und Kontur)
Bei mir sieht das Ganze jetzt so aus:

Nun machen wir uns an die coolen Leuchteffekte für Grundlinie und Schrift.
Über der Ebene "Schriftzug" legen wir eine Weitere Ebene mit dem Namen "Schriftzug Vordergrund" an.
Dann markieren wir die Grundlinie und die Texte (Shift gedrückt halten) und wählen "Objekt>>Gruppieren" (Strg+G). Die Gruppe duplizieren wir (Strg+D) und heben das Duplikat eine Ebene an (Ebene >> Auswahl zur darüberliegenden Ebene verschieben). Die Ebene "Schriftzug" blenden wir jetzt aus (Das kleine Auge neben dem Ebenennamen).
Wir malen ein weißes Rechteck welches die ganze Schrift bedeckt, und geben ihm einen Farbverlauf.

Das linke Ende des Farbverlaufs sollte weiß/transparent und das rechte Ende weiß/deckend sein.

Das ganze sieht dann so aus:

Nun wählen wir den Schriftzug aus, halten Shift gedrückt und wählen auch den Verlauf (die Reihenfolge ist wichtig). Jetzt wählen wir im Menü "Objekt >> Maskierung >> Setzen". Wir sehen alles was von unserem Schriftzug nicht von Weiß bedeckt war, ist verschwunden. Dort wo nur wenig Weiß war, ist unser Schriftzug halb transparent geworden.

Jetzt setzen wir noch einen kleinen Lichtpunkt an der hellsten Stelle des Verlaufs.
Dazu Zoomen wir ein wenig an das Bild heran.
Wir wählen das Ellipsen Werkzeug und machen einen schönen Kreis direkt am Ende des Verlaufs. Wenn wir Shift gedrückt halten wird die Ellipse konzentrisch und Strg sorgt für ein Ganzzahliges Seitenverhältnis (also beides halten).
Dann wählen wir "Pfad >> Objekt in Pfad umwandeln" und wählen das Pfadwerkzeug. Wir wählen den linken Knoten verschieben ihn ein wenig nach links (1), wandeln ihn in eine Ecke um (2) und verschieben die beiden Anfasser so, dass wir einen schönen Keil bilden (3).


Unser Lichtpunkt bekommt jetzt noch eine Passende Farbe Und ein wenig Unschärfe. Die Unschärfe wird über den Schieberegler im Farbe und Kontur Dialog eingestellt.

Jetzt wird dem Schriftzug noch ein wenig Unschärfe gegeben.
Die untere Schriftebene Blenden wir jetzt wieder ein und geben auch diesem Schriftzug Unschärfe so wie ein wenig Transparenz.

Mit dem Vordergrund sind wir fertig und blenden diese beiden Ebenen jetzt aus. mit dem kleinen Schloss können wir die Ebene gegen versehentliches Verändern schützen.
Hintergrund Feinarbeit
Nun geht es an den Hintergrund.
Wir legen uns eine Zweite Hintergrundebene, über der die wir schon haben, an und nennen sie Gitter.
Duplizieren das schwarze Rechteck und verschieben das Duplikat die Gitter Ebene und Blenden die erste Hintergrundebene aus.
Jetzt ziehen wir mit dem Linien Werkzeug eine grade Linie von oben nach unten an der linken Kante des Rechtecks herunter. Das gleiche an der rechten Seite. Sitzt ein Punkt nicht richtig kann er mit dem Knoten-Bearbeiten Werkzeug genau ausgerichtet werden. Wir markieren beide Pfade und wählen "Pfad >> Kombinieren". Als nächstes wählen wir "Pfad >> Pfad-Effekte" in der kleinen Dropdown-Box Wählen wir "Interpolate Sub-Paths" fügen ihn mit "Add" hinzu und stellen "Schritte" auf 79.
Auf die gleiche Art und Weise erstellen wir 9 horizontale Linien.
Falls noch nicht geschehen sollten die erstellten Linien grün eingefärbt werden.

Wir erstellen Unter der Gitter Ebene eine weitere Ebene "Rauschen".
Das schwarze Rechteck wird aus der Gitter in die Rauschen Ebene Verschoben.
Die Gitter Ebene Wird gesperrt, kann aber eingeblendet bleiben.
Als nächstes benötigen wir ein Bildrauschen. Das lässt sich mit Gimp oder Photoshop erstellen oder wir laden uns einfach ein Bildrauschen aus dem Internet.
Über "Datei>>Importieren" lässt sich die Bilddatei einfügen.
Ich habe das Bild mehrmals nebeneinander Gelegt und danach gruppiert.
Dann füge ich wieder Unschärfe hinzu. Wichtig ist, dass wenn mehrere Bilder mit Unschärfe versehen werden sollen, diese zu erst gruppiert werden, da so die Unschärfe auf die Gruppe als ein Objekt angewendet wird. Anderenfalls wird jedes Bild einzeln unscharf gezeichnet und Kanten an denen zwei Bilder zusammen stoßen zeichnen sich deutlich ab.
Unser Schwarzes Rechteck wird dupliziert. Dann markieren wir unser Rauschen, danach auch das schwarze Rechteck und wählen "Objekt>>Ausschneidepfad>>setzen" Das andere schwarze Rechteck sollte vor dem jetzt zurechtgeschnittenen Rauschen positioniert werden.
Die Deckkraft des schwarzen Rechtecks bestimmt wie stark das Rauschen zu sehen ist. in meinem Fall waren 70% angemessen.

Letzte Schritte
Wir blenden die erste Hintergrundebene wieder ein. Dem grünen Rechteck geben wir jetzt grade so viel Unschärfe, dass es nicht aus dem Bildbereich läuft, da es sonst, wenn das Bild exportiert wird hässlich abgeschnitten aussieht.
Nur noch die anderen Ebenen wieder einblenden und wir sind fertig.
Da wir ausschließlich helle Grüntöne verwendet haben, kommt unser Logo am besten auf einem schwarzen Untergrund zur Geltung.
Über "Datei>>Bitmap Exportieren" erstellen wir uns nun ein Bitmap von der fertigen Datei.

Anmerkungen:
Es empfiehlt sich sehr häufig zwischenzuspeichern. Inkscape ist nicht das stabilste Programm.
Ebenen können immer sehr einfach ein/ausgeblendet werden in dem auf das Auge in dem Ebenen Fenster geklickt wird.
Eine Ebene kann ge/entsperrt werden indem auf das kleine Schloss geklickt wird. Objekte in einer gesperrten Ebene können weder markiert noch bearbeitet werden.
Bei dem Arbeiten mit Inkscape ist es manchmal schwierig ein bestimmtes Objekt zu markieren, da immer ein anderes darüber liegendes markiert wird.
Liegen beide Objekte in der gleichen Ebene lässt sich das blockierende Objekt absenken (Objekt>>absenken oder Icon in der Toolleiste) um besser an das zu markierende heran zu kommen. Durch halten der Alt Taste können ebenfalls tieferliegende Objekte markiert werden (Funktioniert nicht in jedem Betriebssystem).
Liegt das blockierende Objekt in einer höheren Ebene kann diese einfach gesperrt werden, so dass das gewünschte Objekt markiert werden kann.
Bilder die in eine SVG Datei eingefügt werden werden nicht automatisch vektorisiert. Das bedeutet, dass sie beim Skalieren den gleichen Qualitätsverlusten unterliegen wie Bilder die nicht in eine SVG Datei eingebunden sind.
Die Inkscape Hilfe ist, wenn auch auf Englisch, sehr hilfreich und bietet für die einzelnen Funktionen des Programms sehr gute Erklärungen. Im Gegensatz zu anderen open source Programmen lohnt sich hier also ein Blick in die Hilfe.
Schlusswort:
Ich hoffe das Tutorial hat euch gefallen. Bewertungen, Anregungen und Fragen wie immer gerne gesehen.
Das nächste Tutorial wird sich um das erstellen von Ions drehen.
MfG
Euer Andibert



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