Taxi-Fahren für Afrika
von Mark
am 12.05.07 um 13:19 (1151 Hits)
Manchmal trifft es einen, wie der Schlag: nichtsahnend mit einem Joghurt bewaffnet, sitze ich auf der Couch und da beginnt das "Quiz-Taxi" auf "Kabel eins" ... mit Prominenten.
Das tolle am Promi-Quiz-Taxi: der vom Promi-Duo erratene Gewinn kommt Kindern in Afrika zugute: "Schulen für Afrika".
Ein schönes Konzept: ich löffel genüsslich meinen Joghurt, lege die Beine hoch und schaue Dirk Bach und Ralf Schmitz dabei zu, wie sie heiter und amüsiert - nicht aber ohne den nötigen ernst: es geht ja um etwas - versuchen, Thomas Hackenberg möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen: schließlich will man ja Helfen!
Am Ende sind alle zufrieden und glücklich: Dirk und Ralf haben ihr Ziel erreicht, Thomas hatte seine Einschaltquoten, die Unicef hat ein paar Schulen in der Tasche und nebenbei wurde ich unterhalten...
Plötzlich schlägt es mir auf den Magen - und es liegt nicht am Joghurt: Dirk und Ralf haben ja gar nicht €61.000 Euro für Unicef "gewonnen", sondern €39.000 - die Promis können bis zu €100.000 erraten - verloren!
Und da wird mir persönlich klar: das ist ein Spiel auf Kosten der Bedürftigen. Es stehen €100.000 zur Verfügung - ja, natürlich gehe ich davon aus, daß Kabel eins diese Peanuts auch auf dem Konto hat - und zur Belustigung der Zuschauer wird ein Teil davon mit recht viel Aufwand - ein Taxi, ein Team, Kameras etc. - abgezogen...
Ein "Wieviel erraten die Promis für Afrika?" verkommt da schnell zum "Warum muß Afrika nun auch noch wegen dummen Promis leiden?!"...
Nun kann man natürlich sagen, daß ohne diese Sendung auch nicht das Geld für die armen Kinder zustande käme, es sich doch so gesehen um ein wirklich gutes Konzept handeln würde?!
Um es gleich vorweg zu nehmen: Kabel eins macht diese Sendung nicht für die "armen Kinder": erhöhte Einschaltquoten - und damit verbunden: höhere Werbeeinnahmen - sind das einzige, was einen Sender interessiert und dementsprechend kann davon ausgegangen werden, daß die "Ausgaben für die armen Kinder" nur einen Bruchteil der "Einnahmen durch erhöhte Einschaltquoten" entspricht, es sich also streng genommen um reine "Werbekosten" handelt.
Oder Anders: das Geld für die "armen Kinder" ist da, es wird nicht erst "erwirtschaftet".
Wahrscheinlich bräuchte man nur einen Tag auf's Catering verzichten und doppelt so viele Kinder hätten eine Schule...
Hinzu stehen mit dieser Begründung alle Tore offen:
Zukünftig wird sich der Hartz IV Empfänger bei "Oliver Geissen" und "Vera am Mittag" seine Sozialleistung als "Trottel" verdienen müssen: für eine aus heiterem Himmel angezettelte Prügelei gibt's dann sogar eine Mietförderung.
Bei Günther Jauch spielt man um die Kosten einer Zahnbehandlung oder lebenswichtigen OP: "wenn sie die nächste Frage beantworten, haben sie die Narkose schon mal sicher. Und sie können immer noch Ihren Chirurgen anrufen oder sie befragen die gesetzliche Krankenversicherung!".
Und im "Promi-Quiz-Taxi 2" werden zunächst genug Schulen für alle Kinder in Afrika gebaut, dann aber per "Spiel" entschieden, wer dort letztlich hinein darf: "Schade, der kleine Nbala muß leider auf der Strasse verrecken, Dirk wusste die Hauptstadt von Peru nicht..."
So könnte man das Konzept des Promi-Quiz-Taxis vielleicht ein wenig korrigieren: gefahren wird gleich in Kigali und wenn ein Promi von €100.000 nur €61.000 erraten hat, kann er aussteigen und sich persönlich dafür bei zwei drei Kindern auf der Strasse entschuldigen: "Sei mir nicht bös', Kleiner, ich habe wirklich alles versucht, auf die Hauptstadt zu kommen..."






