WM-Blog 2010 - Goodbye
von DrSoong
am 13.07.10 um 14:26 (786 Hits)
Die WM ist vorbei, Freude und Trauer liegen so nah beieinander. Zeit für meinen ganz persönlichen Rückblick auf diese WM, meine Tops und Flops, Sieger und Verlierer sowie mein Resümee zum WM-Blog.
Die WM brachte einen würdigen Weltmeister, der zwar mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte (0:1 gegen die Schweiz), letztenendes aber durch sein Spiel überzeugte. Dies wird durch den Umstand belegt, dass die Spanier bis inklusive des Halbfinales nur 3 gelbe Karten sahen, damit waren sie mit Abstand die fairste Mannschaft. Mit den 5 Karten aus dem Finale blieben die Spanier aber mit einem Durchschnitt von 1,14 gelben Karten je Spiel aber immer noch deutlich unter dem Schnitt von 3,83 gelben Karten der gesamten WM.
Die Niederländer standen zum dritten mal im Finale einer WM, zum dritten Mal mussten sie aber ohne den begehrten Pokal wieder nach Hause abfahren. Nigel De Jong darf dafür zum Ausgleich mit der zweifelhaften Ehre nach Hause fahren, das sicher schlimmste Foul der WM begangen zu haben, sein Tritt gegen Xabi Alonso erinnerte an die Ausraster von Paul Gascoigne.
Das Torfreudigste Team der WM kam aus Deutschland, mit 16 Toren in 7 Spielen trafen sie nicht nur absolut sondern auch je Spiel am öftesten. Da war es fast zu erwarten, dass der Torschützenkönig auch aus Deutschland kommt, Thomas Müller hat zwar gleich viele Tore geschossen wie David Villa (ESP), Wesley Sneijder (NED) und Diego Forlan (URU), seine 3 Assists brachten ihm aber diesen begehrten Titel.
Den gegnerischen Stürmern gegenüber knauserig waren Eduardo (POR) und Diego Benaglio (SUI), beide ließen nur jeweils ein Tor zu. Da aber Eduardo nur 4 Spiele und Benaglio nur 3 Spiele machten, muss man Iker Casillas (ESP) hier als Paradegeizkragen küren, in 7 Spielen brachte er dem Gegner nur zwei Geschenke. In der KO-Phase blieb er komplett torlos, sein Gastgeschenk an die Schweizer dürfte, so man den spanischen Boulevardzeitungen glaubt, eher auf das Konto seiner Freundin, einer Reporterin, die beim Tor hinter dem Tor stand, gehen.
Leid tun konnte einem Ri Myong Guk, der Torhüter der Nordkoreaner, er musste nicht nur in nur 3 Spielen zwölfmal hinter sich greifen, im Spiel gegen Portugal kassierte er 7 Tore auf einmal. Mit 4 Toren je Spiel kassierte er im Schnitt doppelt so viel wie die nächstschlechteren Torleute Mark Schwarzer (AUS) und Jung Sung Ryong (S-KOR).
Die Harmlosesten Stürmerreihen zeigten Honduras und Algerien, beide konnten niemals einen Torjubel zeigen. In diesem Bereich müsste man auch Spanien erwähnen, 8 Tore in 7 Spielen reichten zum Titel, zeigten aber ob der Vielzahl ihrer Chancen nicht von der Effektivität der Stürmer.
Diese WM hat gezeigt, dass ein großer Name nichts nutzt, wenn der Rest nicht passt, am deutlichsten sah man dies an Argentinien. Messi war nicht in seiner Form und wurde gut abgedeckt, seine vereinzelten Vorstöße brachten ihm keinen Torerfolg und der Rest der Mannschaft konnte mit seiner Spielweise nichts anfangen. Kollektive Leistungen ala Spanien oder Deutschland überzeugten, als einzigen wirklichen Superstar, der seine Mannschaft gezogen hat, kann man nur Diego Forlan, den besten Spieler der WM, nennen.
Es hat sich auch gezeigt, dass voreiliges Herabsetzen der Kontinentleistungen nicht immer gerechtfertigt ist, Südamerika brachte zwar alle Länder ins Achtelfinale, im Halbfinale stand dann aber nur mehr ein Vertreter 3 europäischen Nationalmannschaften gegenüber. Das Endspiel war sogar eine rein europäische Angelegenheit, Uruguay blieb schlussendlich nur der vierte Platz.
Das Vorrunden-Ausscheiden der beiden Finalisten der letzten WM, Frankreich und Italien, ließ Europa zwar in seinen fußballerischen Grundfesten erzittern, zeigte aber wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist und das manche Länder hier nicht Schritt halten können. Höhepunkt war hier sicher auch der Streit im französischen Team, der nächste Teamchef muss hier den Scherbenhaufen kitten.
Meine persönlichen Sieger, außer dem Weltmeister Spanien, sind der Kontinent Afrika sowie die afrikanischen Fußballfans. Südafrika hat stellvertretend für alle anderen afrikanischen Länder bewiesen, dass Fußball dort begeistert und trotz so mancher Unwägbarkeit auch solche Großveranstaltungen möglich sind. Möglicherweise sehen wir bald wieder eine WM in einem afrikanischen Land, ein näher an Europa liegender Veranstaltungsort würde der Zuschauerzahl sicher noch besser tun.
Wie schon 2008 ist mein Verlierer wieder der verantwortliche Fußballbund, diesmal also die FIFA. Emotionen in allen Ehren, man will sie behalten, indem man einen Videobeweis ablehnt, gleichzeitig aber unterdrücken, da man den Torjubel mittels ausziehen des Leibchens bestraft. Diese Uneinsichtigkeit, gepaart mit Arroganz und Unehrlichkeit kostet immer mehr Sympathie, diese zarten Vorstöße in Richtung Überwachung des Tors werden nach der WM ganz sanft verschwinden und damit auch die wenige noch verbliebene Ehrlichkeit im Fußball. Eine Bande von 80-jährigen kontrolliert einen Sport, betrieben von unter 40-jährigen, hier sollte einmal der ganz große Schnitt kommen.
Top war der Sendetermin, eine WM in Afrika bringt für Europa die bestmögliche Fernsehzeit für Fußball. Fans aller Couleur konnten sich in ganz Europa die Spiele ansehen, viele Firmen erlaubten das ansehen der eigenen Mannschaft in der Arbeitszeit. Top war auch der Umstand, dass es keinerlei Fanausschreitungen gab, hier mag auch die Entfernung eine Rolle gespielt haben.
Flop waren die Leistungen der Schiedsrichter und ihrer Assistenten. Knappe Entscheidungen kann man nicht kritisieren, mehr als einmal waren es aber deutliche Situationen, die falsch gesehen oder beurteilt wurden. Die in Europa getesteten Torrichter würden helfen, müssten aber mit mehr Kompetenzen ausgestattet sein, über all dem steht aber manchmal leider das Ego des Schiedsrichters.
Das wars mit dem WM-Blog, manchmal war es sehr hart da eher wenig Unterstützung kam. Mein Dank geht hier an smileyml und Nico Graichen, die mir zumindest jeweils ein Spiel abnahmen. So manches Spiel hab ich nur angesehen, um darüber zu schreiben, andere Spiele haben mich Nerven, Fingernägel und viel Geld für Bier gekostet. Es waren schöne 4 Wochen, Diskussionen inklusive. Es hat manchmal Kraft gekostet, die Spiele zu beschreiben, zweimal hab ich mich dazu hinreißen lassen, vom gewohnten Stil abzurücken und neues versucht (ist das überhaupt aufgefallen?). Es war auch oft ein Kampf, die passende Überschrift zu finden (BTW: Der Torhüter von Ghana wurde als Kingston geboren, mein Titel hat also gepasst :P), manche haben sich aufgedrängt, andere ließen sich Zeit. Trotz aller Fußballbegeisterung meinerseits bin ich froh, dass es vorbei ist.
Das letzte Mal grüßt euch aus dem WM-Blog,
Der Doc!






