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Love Parade 2010: Ein kurzer Erfahrungsbericht

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von Dennis Wronka am 26.07.10 um 00:41 (1449 Hits)
So, als alteingesessener Raver will ich mal meinen Senf zur Love Parade 2010 abgeben.
Kurz und knapp: Musikalisch gut, alles andere .

Und mal ehrlich: Wer hat eigentlich diese Sicherheitsexperten ausgewaehlt? Die haben ja mal null Menschenkenntnis. Denn wer meint dass es sicher waere eine halbe Million Leute auf einen Schlag durch einen Tunnel zu schleusen hat wohl am Tag der Entscheidung seine Medikamente vergessen.

Und nur einen Zugang zum Gelaende zu bieten ist ja auch mal Kaese, oder nicht?
Dazu kommen nun noch die kuenstlich angelegten Flaschenhaelse, die ja, wie zu erwarten war, nicht dazu beigetragen haben dass weniger Leute auf einen Schlag auf's Gelaende stroemen, sondern nur fuer hoehere Kompression sorgten. Dass Leute da, bei stark eingeschraenkter Bewegungsfreiheit zum einen 'nen dicken Hals und zum anderen auch Panik kriegen haette sich vorhersehen lassen, wenn man denn nun mal ein wenig verstehen wuerde wie der Mensch so denkt.

Auch Aussagen dass verschiedene Szenarien durchgespielt wurden, auch das einer Bombe im Tunnel, hilft dabei nicht, denn solche Simulationen koennen schlichtweg nicht die Unberechenbarkeit des Menschen voraussehen.

Was aber von solchen Experten haette voraussehbar sein sollen ist dass Leute eine Treppe sehen und diese als Ausweichmoeglichkeit nutzen wollen um zum einen aus der erdrueckenden Menge und zum anderen auf das Gelaende zu kommen. Letzteres war natuerlich auch schon arg suboptimal, wenn man bedenkt wie klein doch der alte Gueterbahnhof ist verglichen mit der Strasse des 17. Juni.
Und wenn so eine Treppe dann auch noch kein Gelaender hat kann es auch ganz leicht mal zu stuerzen kommen, denn gedraengelt wird ja in so einer Situation ueberall, egal ob's nun horizontal oder vertikal weitergehen soll.

Es wurde hier ganz klar eine der Grundregeln von Massenevents stark vernachlaessigt: Je groesser die Menge, desto duemmer ist sie.

Die einzig gute Entscheidung die getroffen wurde war die Notausgaenge zu oeffnen und die Veranstaltung nicht gleich abzubrechen. Ansonsten fehlte den planenden ganz offensichtlich das Verstaendnis fuer das Verhalten von Menschen in Extremsituationen.

Dass wenn Leute keine Bewegungsfreiheit haben sich bei einigen Angst einschleicht sollte wohl jedem klar sein. Und dass sich in einer solchen Menge Angst schnell ausbreitet ebenso.
Auf der Mayday 1999 oder 2000 (weiss nicht mehr genau, zu lange her) ging mal garnix im Durchgang zwischen den Hallen 1 und 2. Selbst da wurden Leute schon nervoes, obwohl dort garnix passiert ist.

Mit ein wenig Menschenkenntnis haette man das Unglueck verhindern koennen. Entweder durch Wahl eines besseren Austragungsortes, oder aber durch die Absage der Love Parade.

Die Polizei hat sich meiner Meinung ja auch insofern noch etwas blamiert dass die auswaertigen Beamten mit Unkenntnis ueber Duisburger Orientierungspunkte geglaenzt haben. Man haette den auswaertigen Beamten mal ein wenig Ortskenntnis einpruegeln sollen. Wir haben spaeter den Bahnhof umgangen, und da ich ja seit 4 Jahren nicht mehr in Duisburg war waren meine Ortskenntnisse in einigen Bereichen auch etwas eingerostet, vor allem da dies auch Bereiche waren wo ich schon immer wenig durchkam.
Der erste Polizist war aus Dortmund, konnte mir also nicht den Weg zu unserem Ziel weisen. Immerhin konnte er mir sagen wie wir zur Westfalenhalle haetten kommen koennen, waeren nicht die betreffenden Autobahnen zumindest teilweise gesperrt gewesen. Uebrigens, meiner Erfahrung nach hilft so ein kleiner Spass auch dem betreffenden Beamten, der hat zu der Zeit schon genug zu schaufeln, und braucht dann nicht noch zusaetzlich angeschissen werden weil er nicht helfen kann.
Der zweite Beamte konnte auch nicht helfen, er war aus Duesseldorf.
Ist mir in Berlin nie passiert dass mir ein Polizist nicht zumindest mit 'ner groben Richtung helfen konnte.

Jetzt hatte ich ja zumindest noch leicht eingerostete Ortskenntnisse, Ortsfremde waren aber so ziemlich auf sich gestellt, oder mussten hoffen dass sie jemanden treffen der sich auskennt.

Dennoch, die Schuld allein dem Veranstalter, der Stadt Duisburg und der Polizei in die Schuhe zu schieben waere nicht fair.
Denn ein Teil der Schuld liegt ganz klar auch bei den Besuchern. Klingt hart, ist aber so.
Wenn voll ist, ist voll. Druecken hilft da auch nicht. Das ist dumm, laestig, und wie man ja leider gesehen hat gefaehrlich.

Hier hat sich eine Dummheit mit einer anderen gepaart, herausgekommen ist ein Disaster das, seitens der Behoerden und Veranstalter, haette verhindert werden koennen.
Das Menschen sich dumm verhalten ist nichts neues und haette bedacht werden muessen.

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Kategorien
Persönliches

Kommentare

  1. Avatar von ManfredMuster
    Dem kann ich nur zustimmen. Sehr tragisch das die Loveparade so enden musste. Sie hätten sie in Berlin lassen sollen.
  2. Avatar von rd4eva
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708426,00.html
    [...]wurden in einer Dienststelle der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade - Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten - von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. "Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger", sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte "Vertuschungsaktion" im Gang wähnt.[...]
    Schau mal einer an... dein Freund und Helfer.
  3. Avatar von Leola13
    Hai,

    schlimm genug, aber weitaus schlimmer finde ich dieses :suendenpfuhl und im Original : sex-und-drogenorgie-loveparade

    Ciao Stefan
  4. Avatar von Sven Mintel
    Bei der Frau scheint das Botox nach innen zu Drücken
  5. Avatar von aschnee
    Nach so einer Katastrophe kann jeder meckern und seinen Senf dazugeben.
    Es gab Leute die davor gewarnt haben. Das Risiko war bekannt.

    Jetzt wo es geschehen ist kommen alle kleinen Drogen-Raver-möchtegern-alleswisser.

    Das ist halt der Kapitalismus und ein wenig dummheit der Besucher. Es ist wahrlich traurig aber man kann sich nicht von irgendwelchen unterbezahlten Ordnern führen lassen, man kann doch selber mal erkennen das es zu voll ist.

    Die Loveparade ohne Berlin ist wie Las Vegas ohne kasinos
  6. Avatar von Dennis Wronka
    Jetzt wo es geschehen ist kommen alle kleinen Drogen-Raver-möchtegern-alleswisser.
    Den Satz kann ich nicht so ganz nachvollziehen, aber egal. Jedem seine Meinung.
    Klar, Moechtegerns haste auf der Love Parade immer gehabt, und die werden ja auch eher mehr als weniger, wenn man sich mal ansieht wie dumm doch die Menschheit allgemein zu werden scheint. Dass die Szene immer mehr mit dummen Koeppen verwaessert wird, und die coolen Leute alt werden (bin ja selbst mittlerweile 31) ist nichts neues.

    Ja, das Risiko war bekannt, aber mir waere jetzt nicht bekannt dass das gesamte Sicherheitskonzept der Oeffentlichkeit zugaenglich gewesen waere. Obwohl mir das natuerlich auch entgangen sein koennte, immerhin krieg ich ja in Hong Kong auch nicht so alles mit was hier so laeuft.
    Und ja, es haette wesentlich mehr Sinn gemacht die Leute vor den Tunneleingaengen zurueckzuhalten und nicht in den Tunnels.
    Aber egal, passiert ist passiert. Und wie ich ja schon geschrieben hab, durch Menschenkenntnis haben die Planer ja dieses Jahr leider nicht geglaenzt. Vieles haette eigentlich offensichtlich sein sollen.
    Und ja, der Kommerz hat da sicher eine Rolle gespielt, vor allem da ja auch die Stadt Duisburg nicht gerade in Geld schwimmt.

    Und ja, die Besucher waren dumm. Hab ich ja bereits erwaehnt.
    Wie ich ja schon sagte, die Masse ist dumm. Je groesser sie ist, desto duemmer ist sie.

    Auch beim letzten Punkt muss ich zustimmen. Die Love Parade haette in Berlin bleiben muessen. Dort gab es die optimalen Bedingungen, eben dass die Strasse des 17. Juni von ueberall erreicht und verlassen werden konnte.

    Dass Eva Hermann an mentalem Durchfall leidet ist ja wohl mittlerweile allgemein bekannt. Dass sie aber, nach ihrer offensichtlichen Lobotomie, ueberhaupt imstande ist zusammenhaengende Saetze zu verfassen finde ich aber durchaus erstaunlich.
  7. Avatar von Sven Mintel
    Die Love Parade haette in Berlin bleiben muessen. Dort gab es die optimalen Bedingungen, eben dass die Strasse des 17. Juni von ueberall erreicht und verlassen werden konnte.
    Jo, die war aber irgendwem hier nicht sexy genug

    Ich hatte aber jetzt mal unabhängig von den politischen und finanziellen Querelen das Gefühl, dass Berlin ausgeraved hat, Techno ist hier so tot wie sonst wohl nirgends in DE.
    Ist zwar nicht unbedingt nen Problem, weil ja die meisten eh von ausserhalb kommen, aber die letzten male kam mir das hier schon irgendwie zwanghaft vor, so nach dem Motto "jetzt ham wir damit angefangen, jetzt müssen wir da irgendwie durch".
  8. Avatar von Jan-Frederik Stieler
    Hi,
    es hieß ja jetzt auch dass dies die letzte LP gewessen sein. Dazu kann ich nur sagen: "Tot gesagte leben länger vorallem wenn man mit diesen geld verdienen kann. Den was anderes als eine Gelddruckmaschine war die Lp seit dem Verkauf nicht mehr. Und wenn man sich mal anschaut wer der aktuelle Veranstalter war/ist dann wundert einen nichts mehr.
  9. Avatar von Sven Mintel
    Naja, dieses Gerücht der Gelddruckmaschine wird ja sehr gern verbreitet....ich glaube nicht unbedingt, dass die LP dies für den Veranstalter war.
  10. Avatar von 2downtown
    Sicherheitsexperten, Polizei, Regierung... Das zeigt doch nur, dass die Menschenmenge an solche Kontrollmechanismen voll angewiesen ist. Klar, jeder Einzelne würde dann behaupten er habe sich vernünftig verhalten. Aber anscheinend ab einer gewissen Anzahl von Menschen an einem Ort (3, 10, 100?) sind sie völlig hilflos und müssen "gehütet" werden. Denn der menschliche Verstand schaltet sich in einer großen Menschenmenge ab. Dann muss man fragen, ob man solche Veranstaltungen ohne Totalkontrolle seitens der Sicherheitskräfte überhaupt zulassen darf. Für eine Aufklärung muss aber offenbar gesorgt werden.